Zigeunerswing und Hamburger Herzenslied

Geschrieben von hedo holland am .

Zigeunerswing und Hamburger Herzenslied

Hamburger Singewettstreit 2015

Der Singewettstreit hat mir Freude gebracht. Nachdem 2014 die Qualitäten schon erheblich besser waren, sind wie weiter gestiegen. Zumeist im Kreativen. Die Chorqualitäten wi8e in den Vorjahren gegenüber früheren Qualitäten weite zurück geblieben. Die Kritik der Pausenmusik vom vorigen Jahr war einseitig. Pausenfüllung durch „Schlagsaite“ aus Köln und Nachfeier haben ihre Wichtigkeit. Und die Organisation war wieder klasse! Gratulation.

Auf den Bühnen waren kaum Jungsgruppen, keine größeren Pfadfindergruppen aus Hamburg, keine Wandervogel- und Jungenschaftsgruppen bis auf den Stamm Silberburg und die Ecksänger. Chöre und Stämme fehlten aber weitgehend unter den Bewerbern. Gibt es hier eine Verschiebung? Die Berliner-Brandenburger Pfadfinder, die mit vielen aus ihrer Landesmark anreisten, stärkten mit irer Teilnahme und ihrem Sieg ihren Zusammenhalt sowie den Hamburger Singewettstreit. Auf mehreren Ebenen sind aber neue Qualitäten entstanden: Lieder, die den Jugendlichen und Kindern Freude bringen, gute Beachtung der selbstgeschaffenen Lieder.

Instrumente werden immer mehr eingesetzt nach Klampfen, Querflöten, Bass und Bodrhán waren nun auch Trompeten, Trommeln, Ukulelen, Klarinetten. Die dichterisch-sprachlichen und kompositorischen Qualitäten sind unterschiedlich. Und vielversprechend. Teils dringen Lieder in die Comedysparte vor. Das wichtigste scheinen mir Power, Grooves und Miteinander - Gegeneinander des Klezmer-und Zigeunerswing zu sein, der noch mehr als im vorigen Jahr aus vielen Liedern klang und das Publikum mitriss.

Sie singen von Erfahrungen, Fahrten und Gemeinschaft, von Jahresfesten und Jubiläen, von Natur und Naturvölkern, von Gesellschaftskritik und Politik. Zigeunerswing sowie Hamburg und das Meer sind Musiktrends. Hier scheint das Gespür zu treffen, und die Qualität voran zu bringen. Das in einer Woche einzuübende Lied, die Hamburgensie vom Tüdelband war eine tolle Idee und traf das Herz der Bündischen, ein Lied, das bis heute fast jeder Hamburger singen kann und liebt.

Die Aufforderungen in den Lieder zeigen, dass in das Weltgeschehen und die schnellen Veränderungen in Kultur und Politik reflektiert werden: Erspüren von Zukunft / Marionetten oder selbst Denkende, Fernsehkritik mit dem Vorgaukeln und Verschleiern von Wirklichkeiten / Ratschlag, manches lieber als Clown zu sehen / Aufruf an Ältere, das neue, digitale Zeitalter wahrzunehmen, die Resignation: sich aus der Asche der Vergangenheit zu erheben und einfach treiben lassen.

Das sind schon gesungene Vorschläge, die einen neuen Nerv treffen, vielleicht noch nicht so präzise und intensiv, wie es sein könnte, noch mehr ein Aufschrei. Es steckt aber auch ein Aufruf darin, nach neuer Besinnung, nach neuer Jugendbewegung und nach Aufbruch. Wenn solches Singen genutzt wird, breiter ankommt und umgesetzt wird, kann daraus auch ein Aufschwung für die Bünde begründet werden.

Mit diesem Artikel haben wir eine Analyse versucht, nicht um nur zu bemängeln und zu kritisieren, sondern auch, um die Hoffnung zu stärken, dass in dieser anoymen, geizigen, egoistischen und einsamen Gesellschaft die Bünde für Jung und Alt Hoffnung auf Heimat, Natur, Gemeinschaft, Zuhause, auf Fahrten, Erfahrungen und Erlebnisse, auf gemeinsames Leben, Singen und Feiern bieten können. Das wünschen sich viele Menschen, vielleicht sogar die meisten und nicht nur die Intelligenz. Die Massenmedien berichten das über die Bünde selten. Wir müssen uns unsere eigenen Wege dazu ausdenken.

35 Jahre bis Februar 2016 wird mit € 35.000 die Kinder- und Jungenhilfe Alba Julia Rumänien unterstützt durch den Hamburger Singewettstreit unterstützt. Künftig soll ein Verein für unbegleitete Flüchtlingskinder in Hamburg unterstützt werden. Der nächste Hamburger Singewettstreit ist am Sonnabend, den 20. 2. 2016 wohl wieder in Hamburgs Audimax der Uni am Von-Melle-Park beim Dammtorbahnhof. Macht weiter so!

hedo holland