Folksession • Mitmachtanz • Folkbigband • Allspeel

Geschrieben von hedo holland am .

1979 waren wir beim Folkfest in Osnabrück, organisiert von Willy Schwenken. Das Fest mit den Folkbands fand in einem dunklen Saal statt. Im Klosterhof war herrlicher Mai und die Mandelbäume blühten. Da spielten drei junge Franzosen französische Tänze, und 10 bis 12 Leutchen tanzten dazu. Das brachte Freude. Nach 4, 5 Tänzen war das Tanzen vorbei und niemand wollte in den dunklen Saal zurück. Die Franzosen hatten keine weiteren Tänze.
Da rief ich Leute zusammen, summte mit ihnen den Hoida. Peti auf der Flöte und ich auf der Klampfe spielten den Tanz, alle sangen mit. Beim 2. Durchgang tanzten schon 100. So entstand das Mitmachtanzen mit dem Hoida aus Rumänien, der über Israel und den Niederlanden nach Deutschland kam, und der erste Mitmachtanz war. Das schlug ein. Als nächstes tanzten wir noch den "Altiruni" aus Israel, den ich von einer Thorofon - Schallplatte her kannte. Dann war damals auch mein Repertoire erschöpft, und wir mussten die Tänze noch einmal spielen, und das Folkfest tanzte mit. Seither ist Folxtanzen bei vielen Folkfesten beliebt. Kein Wunder. Es ist eine bessere Möglichkeit zum Kennenlernen, als Alkohol.

Aus unserem Hamburger Tanzkreis entstand kurz darauf unsere Folkband "Elbraben". Da wurde viel musiziert und bei kleinen Festen zum Tanzen aufgespielt. Wir lernten die Folktanzgruppe „Wilde Rosen“  aus Bochum kennen. Die spielten fetzig zum Tanzen auf und brachten uns bei, wie man vor Mengen mit Tänzen auftritt und Publikum zum Tanzen einlädt. Das war der Ursprung der Verbreiterung des Mitmachtanzens durch viele Elbraben – Auftritte in ganz Deutschland und im Ausland.
Die Elbraben kamen aus den Bünden der Jugendbewegung oder standen ihnen nahe. So machten wir zusammen die ersten beiden Tanzplatten bei Autogram in Nottuln. Mit den Tanzbeschreibungen gingen die LPs wie rasend durch die alten und neuen Tanzkreise. Teils wird heute noch danach getanzt.
Bei den Elbraben sind viele Vollblutmusiker und Folkies, die gern zusammen irische Sessions machten. Oft mehr als die halbe Nacht. Die Elbraben waren die erste Mitmachmusizierband. Interessierte Musiker konnten meist mit auf die Bühne, wenn sie ein paar unserer Stücke kannten. Das wird seither in der Folkszene Folkbigband genannt.. Das Interesse an unseren Notensätzen und Tanzbeschreibungen wuchs.

Tanzbeschreibungen und Noten fassten wir in unserer Bigbandmappe zusammen. Diese Mappe kann sich jemand mitnehmen, sie gratis fotokopieren und innerhalb eines Monats zurückgeben oder posten. Das führte dazu, dass viele Bands sich in der entstehenden FolkMitmachszene sich befreundeten und dann vernetzten. Dieses – Noten weiter geben - , das früher bei den meisten Gruppen nicht üblich war (Jeder bewahrte seine Sachen wie einen Schatz) kam dadurch in Gange. Das machte die Folkszene über die Jahre lebendig und flexibel und einander verbunden.
Es entstanden mit den Jahren weit über 100 Mitmachtanzbands mit vielen Freunden und Folkies drum rum . Viele der ersten europäischen und israelischen Mitmachtänze sind seit den 70er Jahren in der Folkszene beliebt. Viele weitere kamen hinzu, teils mit wunderschönen Sätzen.

In Schweden wird in den Regionen des Landes ähnlich dem heutigen europäischen FolkBigbandmusizieren in Deutschland zum regionalen Allspeel eingeladen. Musiker haben bei Festen oft Gratis- oder halben Eintritt, wenn sie mit ihren Instrumenten kommen. Dann werden 10 Stücke mit allen zusammenkommenden Musikern auf der Bühne und davor gespielt. Teils singt das Publikum mit. Das Allspeel wurde zu einem der Höhepunkte der Feste.
Nun haben wir in Deutschland auch das regionale Allspeel eingeführt. Beim 100. Geburtstag des wandervogel ev haben die Musiker zum ersten Mal gemeinsam zum Mecklenburger Allspeel aufgespielt. Vorher wurden Allspeelhefte verschickt. Dabei ein Teil für das Bigbandspiel im Heft für das Spielen zum Folkball am Abend.

Das Mecklenburger Allspeel hat sich gut bewährt. Und das kleine Heft ist richtungsweisend. In den 20er Jahren des vorigen Jahrhunderts gab es vom Wandervogel zu den verschiedenen deutschen Regionen Liederhefte. Das führte mich zu dem Gedanken, dass es das Allspeel ja auch in allen Gegenden Deutschlands geben kann.
Nun bin ich gespannt, wer aus dem Wandervogel oder aus anderen Gruppen ein Allspeelheft seiner Region mit alten bekannten Melodien und Liedern zusammenstellt. Es kann dann in der Gegend dort von den Folkmusikern aufgenommen und eingeführt werden. Das Mecklenburger Heft können Leser auf Wunsch gratis als pdf-Datei anfordern. (Wenn es uns nicht zu viel Arbeit macht, da wir mit den Zeitschriften „Folkmagazin“ und „wandervogel“ schon viel zu tun haben.)
Ich denke, dass besonders für engagierte Volkstanzgruppen, die gern mehr Musiker hätten, ein Allspeel ihrer Region eine gute Grundlage ist, das Mitmachtanzen zu bei sich zu fördern, Feste spannender zu machen und Musiker hinzu zu gewinnen.

Weitere einfache europäische Folktänze mit Noten und Beschreibungen haben wir in unserem Tanzheft Schatz (des wandervogels) gesammelt. Auch es ist zu bekommen.

Es lohnt sich das Folkmagazin und
den wandervogel zu abonnieren. 

hedo