Artikel + Berichte fürs Folkmagazin 338 . 28.6.18

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Sharon Shannon ist ehemaliges Mitglied der schottisch-irischen Band „THE WATERBOYS“ und eine begnadete Solokünstlerin

Die letzten Jahre waren für Sharon äußerst erfolgreich. Unter anderem wurde ihr Song “Galway Girl”, aus dem Film “P.S. - Ich liebe dich”, ein weltweiter Hit. Auch für US-Präsident Barack Obama durfte sie performen, als er 2011 Irland besuchte. Das machte ihn, nach Bill Clinton,  zum zweiten US-Präsidenten, für den sie schon auftreten durfte. Doch auch die irischen Präsidenten Robinson, McAleese, und nicht zu vergessen, Michael D. Higgins, konnten schon ihren unglaublichen Klängen lauschen. Auf ihrer Festival-Tour in 2014 spielte sie bei verschiedenen amerikanisch-irischen Festivals, wie unter anderem dem Dublin Ohio Irish Festival, dem Edmonton Folk Festival und dem Milwaukee Irish Festival.

Sharon Shannon hat die Musik wortwörtlich in ihren Fingerspitzen. Die Akkordeonistin aus Irland hat mittlerweile eine legendären Status auf der ganzen Welt und hat es sogar geschafft, dass das viel geschmähte Akkordeon in ihrer Heimat nun zu den “coolen” Instrumenten gehört. Sie ist berühmt für das Zusammenführen verschiedenster Musik-Genres, welche sich oft auch außerhalb der irischen Volksmusik bewegen.

Seit nun mehr 20 Jahren ist sie als musikalische Ikone, mit der traditionellen irischen Musik im Rücken, auf den Bühnen dieser Welt zu Hause. Und doch hat sie sich nie gescheut, auch andere musikalische Ausflüge in Angriff zu nehmen. Dadurch konnte sie ihren einzigartigen Stil auch im musikalischen Bereich von Country, französisch-kanadischem Reggae, Hip-Hop, Dance und der Klassik einweben.

Schon öfter hat Sharon mit Persönlichkeiten und Berühmtheiten der weiten Welt der Musik zusammen gearbeitet, getourt und aufgenommen. Darunter sind Weltstars wie Bono und Adam von U2, Steve Earle, Jackson Browne, Nigel Kennedy, Willie Nelson, John Prine und Christy Moore.

Mehrere ihrer Alben waren Chartstürmer und konnten auf Platz 1 der Album-Charts steigen und bekamen Platin. Doch auch ihre Singles, wie „The Galway Girl“, das sie mit Steve Earle geschrieben und mit Mundy aufgenommen hat, konnte an die Spitze der Charts klettern. „The Galway Girl“ gehört zum O.S.T. von „P.S. – Ich liebe dich“ und war auch Teil der „You and the Bulmers“ TV-Kampagne von 2008. Zu vielen weiteren TV-Shows und Filmen konnte Sharon mit ihrer Musik einen Beitrag leisten, wie auch zu Neil Jordans „Odine“, in welchem Colin Farell die Hauptrolle spielt. Es ist nicht verwunderlich, dass Sharon in ihrer Karriere schon durch zahlreiche Auszeichungen geehrt wurde. Der Höhepunkt dabei war der „Meteor Irish Music Awards Lifetime Achievement“-Award im Jahr 2009.

Glastonbury Hauptbühne mit den Waterboys 1989

Ich bin im Mai 1989 Mitglied der Waterboys geworden. Nach einigen Proben und einer Handvoll Warm-up-Shows in Irland war meine erste richtige Show auf der Hauptbühne des Glastonbury Festivals in Somerset, UK. Was für eine Erfahrung vor etwa 60.000 Menschen. Die Waterboys waren damals riesig, hatten Hits wie „The Whole of the Moon“ und „Fi- shermans Blues“,  und dies war ihr erstes britisches Festival nach der Veröffentlichung des Fishermans Blues Albums. Ich hatte noch nie vor so vielen Leuten gespielt. Ich dachte, ich würde nervös sein, aber ich habe die Erfahrung sehr genossen. Was für ein toller erster Auftritt für mich.

Esslingen - November 2017 

Dies war meine erste Clubshow in Deutschland mit meiner eigenen Band. Ich hatte vor vielen Jahren einige Festivals mit den Waterboys und einige Festivals mit meiner eigenen Band gespielt,.....aber das ist auch schon viele Jahre her. Ich war mit den „High Kings“  auf einem Festival vor etwa 3 Jahre zu Gast. Aber nach mehr als 20 Jahren war es meine erste eigene Clubshow.

Nun, es war eine Co-Headline Show  mit Sean Keane, und die Atmosphäre war großartig. Sean und seine großartige Band spielten zuerst. Dann kam ich mit meiner Band, und das Publikum und wir liebten uns. Es war ein großartiges Verhältnis zum Publikum, und was für ein großartiger Ort. Als ich danach einige der Zuschauer traf, hatten sie alle eine tolle Zeit und waren sehr dankbar, dass ich es endlich geschafft hatte, eine Show in Deutschland zu spielen.

Deutschlandtour 2018

Nun kommt Sharon acc mit ihrer Band wieder nach Deutschland. Mit Jack Maher git,voc,mand,banjo, Jim Murray git, Sean Regan voc viol   http://sharonshannon.com  20 Okt - Oberhausen - Zentrum Altenberg, 21 Okt - Bonn - Harmonie, 23 Okt - Leipzig - Kulturfabrik, 24 Okt - Nürnberg - Gutmann, 25 Okt - Berlin - Quasimodo, 26 Okt - Wolfenbüttel - Kuba Halle, 27 Okt - Jena - Friedenskirche, 28 Okt - Hamburg - Knust, 30 Okt - Leverkusen - Scala, 31 Okt - Karlsruhe - Badenerlandhalle, 01 Nov - Fulda - Kulturkeller, 02 Nov - Kirchheim u. Teck - Bastion, 03 Nov - München - Strom 

Kontakt: Barry Stewart: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!  Tel: 0049 163 9755 70

40 Jahre Folkmagazin

Folklore & Mitmachen Das war der ursprüngliche Name des Folkmagazins, da es ein anderes Folkmagazin gab, das Heinz Mees ins einem Verlag „Venceremos“ herausgab. Heinz setzte auf den damaligen Folkboom, auf die Masse, die großen Folkfeste der Welt und auf einen starken Widerstand der Folkszene gegen die Gesellschaft. Das war auf die Dauer nicht durchzuhalten.  Wir setzten mit Elbraben und Wandervögeln mehr auf unser Lebensgefühl. auf die Freude. Und dazu auf die Kraft kreativer Menschen, sich selbst zu entfalten und auszubrechen aus dem Mechanismus, der Menschen in Gesellschaften klein hält. Das ist ein „Venceremos“ für den Einzelnen und die Gruppe. Also auf keine Beglückung der ganzen Menschheit. Und auch kein Anstreben von Macht und neuer Herrschaft, sondern mehr eine Frage von Emanzipation weniger. Dazu, das persönliche Glück zu entfalten und daraus Kraft zu schöpfen. Und das mit gemeinsamem Tun mit Musizieren, Singen, Tanzen, Gesprächen, Feiern, die Welt Erfahren, Entdecken, Weiterentwickeln, Freunde Gewinnen. Eine besondere Art von Avantgarde.Dabei sind wir geblieben. Das bewährt sich, erfährt Zuspruch, ist ein Weg für Menschen, die bereit sind, einen Weg voller Mühe zu gehen und sich selbst treu zu bleiben. Ist das ein Weg zur Blauen Blume? Mitmachen, Gestalten und sich Entfalten? hedo

 Mitmachsingen   Mitmachsingen ist in Deutschland kaum noch bekannt. In den 20er Jahren und nach Krieg 2 gab es in Hamburg und vielen Städten das „Offene Singen“ der Singebewegung. Mit Mitmachsingen ist nicht das einfach Nachgröhlen von Bands gemeint, sondern eine kleine Kunst, die sich im Wandervogel über 100 Jahre entwickelt und gehalten hat. Man sitzt oder steht ruhig am Feuer, vielleicht auch nur bei 2 Kerzen und singt gemeinsam. Einer oder zwei stimmen an, singen aus dem Kopf, bleiben bei ihrem Stil mit Liedern der Freude oder Liedern der Not, Liedern des Unterwegsseins und der Sehnsucht, Liedern von Liebe und Tod. Da zeigt sich immer wieder, wie viele Liedertexte doch von vielen erinnert werden, dass oft viel gemeinsam gesungen und auch zugehört werden kann. Wenn dann ein paar Kerzen oder Laternen dazu kommen, ein paar Texthefte da sind, mit feinfühligen Liedern,dannkönnen auch die mitsingen,dieinsichdspüren, dass etwas aus ihnen heraus tönen möchte, das geweckt worden ist. Und es entsteht Gemeinschaft, ein Kreis von Menschen, die zueinander finden, aufgeschlossen mit ihren Seelen, gestärkt für den Alltag. Das ist Wandervogel. 

Nordsessions  Wenn Folkies nachts gemeinsam zimbeln und herrliche irische oder schwedische Folkmusiken auswendig auf ihrer Session geigen, werde ich nachdenklich.  Früher gab es das auch hier im Norden. Jeder Musikant konnte die plattdeutschen Tänze auswendig spielen und dazu singen. Und nun sind viele, neue, schöne Nordflieder dazugekommen. Ich meine nicht die Seemannsschnulzen, sondern wirklich schöne Lieder plattdeutsch und hochdeutsch. Aber Nazis und Krieg 2 haben vieles kaputt gemacht: Die durchgehende Tradition der Folkmusiker und Wandervögel. Wenn es die wieder gäbe, vielleicht auch mit ein paar schwierigen Stücken wie der Sünnros, dem Tampet, dem Windmüller mit Tonartwechseln. Bei unserem „Allspeel“ gibt es das schon in Ansätzen. Würde es helfen, wenn wir eine aktuelle A4-Notensammlung mit bewährten alten und wunderschönenen neuen Nord-Musiken heraus bringen würden?

Mitmachtanzen

Das Mitmachtanzen zu europäischen Volkstanzmusiken hat sich in Deutschland durchgesetzt. Viele Bands sind damit heute unterwegs, mit und ohne Tanzmeister. Wie die Elbraben als offene überregionale Band und Hampelmuse aus Berlin das begannen, und wie das Schule machte, haben wir öfter beschrieben. So können tausend Menschen und mehr fröhlich miteinander tanzen, bei Hochzeiten tanzen Familien wieder. Und vom Schulfest bis zu Fest in der Kirche wird gemeinsames Tanzen wieder leicht. 

Miteinander    Unser Lied:

O  lio lio la, wir sind miteinander da,  Zusammen und gemeinsam, nicht einsam und alleinsam. O lio lio la miteinander geht es ja. Wenn wir zusammen singen, Komm‘m wir derSchenah!            Dieter Süverkrup

Volktanz - Weg zur Lebewnslust

  1. Volkstanz- Symposium zum Thema „Marktentwicklung“
  2. Januar 2018 in der VHS Frankfurt am Main

Königliches Suchen

Aus allen Himmelsrichtungen kommen sie zusammen. Sie kommen aus Stuttgart, aus Berlin, aus Dresden, aus Göttingen und aus der Nähe von München, aus den Städten und Dörfern Hessens. Es sind die Verbands- und Vereinsvorsitzenden, die Tanzleiter , Tanzlehrer und Choreografen, die Organisatoren, Jung und Alt, Männer und Frauen, Vertreter des Deutschen und des internationalen Volkstanzes und der Migranten, Vertreter der Stadt Frankfurt. Diese große Vielfalt an engagierter Frauen und Männer treffen sich um die Marke Volkstanz weiterzuentwickeln. Eingeladen haben die Landesarbeitsgemeinschaft Tanz Hessen, die Hessische Landjugend und der Gastgeber Volkshochschule Frankfurt am Main. Am Dreikönigstag in der Krönungsstadt Frankfurt am Main, der Stadt des Handels, der Verkehrsknotenpunkt, die Stadt der Brunnen und Brücken und der internationalen Begegnung. Die Europäische Zentralbank nur wenige hundert Meter entfernt, greifbar nah.

Entdecker im Worldcafé

So unterschiedlich die Teilnehmer auch sind, so begierig sind sie gemeinsam den Schatz „Volkstanz“ neu zu entdecken. Mit dem Schwung der allseits bekannten Sternpolka begeben wir uns auf die erste Etappe unserer Reise. Wir spüren die Mosaiksteine auf, die Begriffe, die dem Volkstanz innewohnen. Mit der Methode „Worldcafe“ sammeln wir die Kernbegriffe des Volkstanzes. Fünf Tische und fünf Gastgeber laden ein zu Assoziationen. Auf einen Tisch liegt der Begriff „erleben“, auf dem nächsten „gemeinsam“ und auf dem dritten „bewegt“. Der vierte Tisch hat eine ganze Wortsammlung: berührt, verbindet, versöhnt, erfreut, begegnen, beglückt und überwindet. Und der letzte Tisch ist für jede neue Besuchergruppe frei für neue Gedanken. Innerhalb einer halben Stunde haben wir den großen Reichtum unseres Volkstanzes auf Papier gebracht.

Am schönsten im Fischbowl

Und schon sitzen wir zum „Fishbowl“ zusammen. An der „Ideenquelle“ am „Begriffsrad“ sitze ich als Moderator. Mit mir im Diskussionskreis drei besetzte Stammplätze und zwei Freiplätze. Auf unseren Stammplätzen sind Reinhold Frank, Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Volkstanz (DGV), Monika Ritthaler Bundesverband für Deutsche Tänze (BvfDT) und Astrid Hamm (VHS, EKHN) als Diskussionsteilnehmer. Die anderen Teilnehmer umgeben uns in einem zweiten Ring. Wer möchte kann auf einen Freiplatz in den Mittelkreis für eine Zeit wechseln. Und schon geht es los mit den Fragen  „Am schönsten ist es wenn es schön ist. Wann ist es beim Volkstanz am schönsten?“ „Wenn alles stimmt, alles stimmig ist, wenn man mittendrin ist “ „Wenn man alles andere vergisst und mit Begeisterung dabei ist.“ „Wenn alles in Harmonie erscheint“ „Wie fühlt sich das an?“ „Was möchtest Du weitergeben?“ „Wie reagieren Menschen, wenn Du ihnen vom Volkstanz erzählst?“ Den Mensch im Blick, den ganzen Mensch mit allen Sinnen nachspürend – so kommen wir dem Kern des Volkstanzes einen weiteren Schritt näher.

Hochkarätiger Referent für Markenentwicklung

Angeregt durch lebhafte Diskussionen beim  Mittagessen und dem fröhlichen sorbischen Tanz aus der Lausitz „Ženje tak rjenje njej było (Nie war es so schön)“, begrüßen wir unseren Gast. Eingeladen ist Dr. Oliver Viest, Geschäftsführer der Social Profit Agentur em-faktor. Seit 20 Jahren in der Kommunikations- und Markenberatung. Mit uns spricht ein hochkarätiger Fachmann für Markenentwicklung für Nonprofit Organisationen.

Was ist eine Marke?

Was ist eine Marke? Eine (gute) Marke ist ein (positives) Vorurteil. Die Marke ist das, was Menschen über Dich sagen, wenn Du nicht dabei bist (die ungeschminkte Wahrheit).  Die Werte bilden die Marke – nicht die Leistung. Wir bewerten und sortieren unsere gesammelten Kernbegriffe. Es entsteht eine Profilpyramide „Volkstanz“. Unten ist die Basis, die vertrauensstiftenden Aspekte: weltoffen, kulturübergreifend, integrierend, Frieden stiftend, überwindend, versöhnt, Respekt, Teilen vermehrt, trägt, integriert, Identität, Ästhetik u.ä.. Dann haben wir die Mitte, das was den Volkstanz besonders macht und was ihn auszeichnet: begegnen, erleben, gemeinsam, verbindet, bewegt, berührt und einiges mehr. Und dann der zentrale Wert, der Kernbegriff, der Kernwert an der Spitze der Profilpyramide: „Lebenslust“. „Aus der Mitte entsteht ein Fluss.“ Fast unscheinbar in unserem Ringen und Suchen nach der Kernbotschaft des Volkstanzes schießt plötzlich der Begriff „Lebenslust“ wie ein Geysir aus unserer Ideenquelle empor

Volkstanz ist Lebenslust

Volkstanz ist Lebenslust – voller Ausgelassenheit, Begeisterung, Lebensfreude, Fröhlichkeit, Vergnügen und Heiterkeit. Ein kraftvoller Begriff, der uns lenkt und uns als zentraler Wert in der weiteren Markenentwicklung begleiten wird. Wenn Marke ein Versprechen ist, wie machen wir die Lebenslust erfahrbar und wie vermitteln wir sie. Wie verändern wir unsere Kommunikation, wenn wir von Volkstanz sprechen? Werden unsere Tanzfeste zu Feste der Lebenslust? Wird unsere Tanzanleitung uns zur Lust am Leben verleiten? Wird ein Tanzschritt zu einem Schritt Lebenslust? Werden unsere Auftritte Lebenslust versprühen? Wird uns die Lebenslust zum Leitbegriff? Nicht jeder ist für einen lauten Juchzer geboren, Mentalitäten sind verschieden und Lebenswege formen Menschen. Aber die Lust am Leben findet ihren je eigenen Ausdruck. Manchmal findet sich der Ausdruck neu, manchmal zaghaft, manchmal überschwänglich, manchmal erst wieder allmählich und dann so schön im Volkstanz wieder. Wenn wir zum Volkstanz laden, lasst uns die Lebenslust erwecken. Lasst uns die Marke um den Begriff „Lebenslust“ entwickeln, dass sie uns als Vorurteil und Versprechen vorausgeht. Und das die Lebenslust bleibt wenn wir den Raum verlassen.

Lebenslust, die weiter trägt . Danke für Deine Wegbegleitung, liebe Leserin, lieber Leser! Nicht alles konnte ich beschreiben, was wir auf dem Volkstanz-Symposium erarbeitet haben. Ich habe nicht berichtet über die Formulierung des Image, die Zielgruppen, was Menschen suchen und welchen Nutzen der Volkstanz bietet, als auch was ihnen erspart bleibt durch den Volkstanz. Die wertvolle Arbeit zur Markenentwicklung braucht Zeit zum Wachsen. Aber es ist eine Freude und Lust mit Freunden des Deutschen und Internationalen  Volkstanzes und mit den vielfältigen Migrantengruppen, die ihre Tänze pflegen, daran weiterzuarbeiten. Denn der Volkstanz ist es wert! Viel Lebenslust beim Volkstanz!     Text: Mario Hecker, LAG Tanz Hessen e.V., DGV, Fotos: Hessische Landjugend e.V.https://lag-tanz-hessen.de, https://volkstanz-symposium.de, Tel.: 06172 137763

Mandoline .  Zupfen egal wie?

Dieser Beitrag kann ruhig als Versuch angesehen werden, die heimlichen Mandolinenspieler unter den FM-Lesern etwas aus der Reserve zu locken. Ich glaube, dass es sie durchaus gibt. Als Appetithäppchen habe ich zwei irische Polkas ausgesucht. Einen besonderen Fokus lege ich dabei auf die Zupfrichtung. Aus Gesprächen mit anderen Mandolinenspielern weiß ich allerdings, dass es zu diesem Thema zum Teil recht unterschiedliche Meinungen gibt. Bauchgefühl, Intuition, Bequemlichkeit – oder doch auch die eine oder andere Regelmäßigkeit? So ungefähr könnte der Untertitel zu diesem Beitrag lauten. Das wäre aber wohl zu lang und würde von der Redaktion sicherlich gestrichen (weshalb ich es hier unterbringe). Die Anregungen, die ich hier gebe, sind nicht der Weisheit letzter Schluss. Sie sind ganz einfache das, mit dem ich selbst am besten zurechtkomme und das ist sicherlich von meinem Geigenspiel beeinflusst. Wer über die Gitarre zur Mandoline gekommen ist, mag deshalb an der einen oder anderen Stelle zu durchaus anderen Ergebnissen kommen.

Zwei irische Polkas

Polkas werden hauptsächlich im Südwesten der Insel gespielt. Zu ihnen werden Set-Dances getanzt, bei denen jeweils vier Paaren sich kreuzweise gegenüber stehen und ein Set bilden. Die Musik ist recht flott, wobei die zweite und vierte Achtelnote im Takt leicht akzentuiert, also etwas lauter bzw. kräftiger gespielt werden (auf der Mandoline sicherlich nicht leicht umzusetzen). Wenn ich solche Polkas auf der Mandoline spiele, versuche ich es zunächst mit einigen Grundregeln:

  • Den Takt beginne ich mit einem Abschlag.
  • Takte mit einer geraden Anzahl von Noten spiele ich abwechselnd mit einem Ab- und einem Aufschlag (z. B. im ersten Stück die Takte 1 bis 3 und im zweiten Stück die Takte 1 bis 7 sowie den Takt 15). Vom Notenwert und von eventuellen Punktierungen lasse ich mich dabei nicht stören.
  • Bei Takten mit einer ungeraden Zahl von Noten zupfe ich als Ausgleich an einer geeigneten Stelle zwei aufeinanderfolgende Noten mit einem Abschlag (im ersten Stück z. B. die beiden Takte 3+4 und den Takt 7).

Diese Regeln sind für eine erste Orientierung gut. Man sollte aber nicht sklavisch an ihnen festhalten. Im folgenden Fall weiche ich deshalb oft davon ab:

  • Wenn zwei Takte mit jeweils einer ungeraden Zahl von Noten aufeinander folgen, beginne ich den zweiten von ihnen ausnahmsweise mal mit einem Aufschlag (z. B. im ersten Stück Takt 10 und 11 oder im zweiten Stück Takt 8 nach der Wiederholung und Takt 9). Beide Takte zusammen betrachtet werden dann einfach abwechselnd ab- und aufgeschlagen und der nächste Takt kann wieder ganz gewohnt mit einem Abschlag beginnen.

Das klingt alles  theoretisch, lässt sich aber recht leicht erlernen. Dazu kann man die rhythmische Folge der beiden Takte vorher einfach mehrmals auf einer leeren Saite üben. Insgesamt habe ich bei den beiden Stücken den Eindruck, dass das Regelmäßige doch bei weitem überwiegt und Ausnahmen eher selten vorkommen. Ich weiß noch nicht, ob ich dieses Thema weiterführe werde oder ob es sich nur um eine „Eintagsfliege“ handelt. Ideen für weitere Folgen habe ich zwar. Das hängt aber auch davon ab, welches Feedback ich von den Lesern erhalte. Das könnt ihr mir gern direkt zuschicken an: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!. Vielleicht lohnt sich ja auch mal ein Mandolinen-Workshop auf dem Rabenhof, wer weiß? (Peter Wachner 06/2018)

Vergleich: Forte 9 und Capella 8

Wer nur gelegentlich mal Noten schreibt oder nur einfache Sätze verwendet, ist nicht ohne weiteres bereit, für ein Notensatzprogramm 600 bis 800 Euro zu bezahlen. Außerdem soll der Lernaufwand nicht zu hoch sein. Zum Glück gibt es preisgünstige Programme, die sogar für komplexere Aufgaben geeignet sind. Zwei Vertreter dieser Gattung sind Forte und Capella.

Forte 9 Forte wird in vier verschiedenen Editionen angeboten: Free, Basic, Home und Premium. Die Editionen unterscheiden sich in Funktionsumfang und Preis. Die Free-Version ist kostenlos, kann aber auch nur eine Notenzeile mit zwei Stimmen bearbeiten. Für den vollen Funktionsumfang wird die Premium-Version benötigt. Zu Beginn der Eingabe erzeugt Forte eine Anzahl leerer Takte, die mit Pausen gefüllt sind. Beim Eingeben der Noten zeigt man mit der Maus auf die Stelle, an der die Note eingefügt werden soll. Auch eine Eingabe mit MIDI-Keyboard ist möglich. Für das Einrichten einer Partitur gibt es Assistenten. Auch Schlagzeugnoten und Gitarrentabulaturen sind möglich. Forte 9 enthält einen Sequenzer zum Abspielen der Musik und einen (sehr einfachen) Notenscanner. Forte kann Auszüge erstellen und beherrscht diverse Im- und Export-Formate, darunter MusicXML, MP3, PDF.

Capella 8 Capella gibt es in zwei Versionen: „Starter“ und die normale Version. Auch hier gilt: voller Umfang nur in der Standard-Version. Bei Capella schreibt man Noten wie man Texte mit einer Schreibmaschine schreibt. Neu eingegebene Noten werden hinten angehängt. Noten können mit der Maus, der Tastatur oder einem MIDI-Keyboard eingegeben werden. Capella verwendet ebenfalls Assistenten. Schlagzeugnoten und Tabulaturen sind auch kein Problem. Partiturauszüge werden mit der Hauptpartitur verknüpft, sodass beide „synchron“ bleiben. Ein Programm zum Notenscannen muss extra gekauft werden. Die Noten kann Capella vorspielen. Auch Capella kann Daten im- und exportieren. MusicXML geht schon lange, neu ist die direkte Ausgabe von MP3 und PDF.

Bewertung Die beiden nehmen sich im Ergebnis nichts, sind jedoch vom Bedienkonzept her verschieden. Sowohl Capella als auch Forte bieten Testversionen. Bei Forte gibt es einen sehr einfachen Notenscanner dazu, der nur für einfache Vorlagen in sehr guter Qualität taugt. Bei Capella kostet das (sehr gute) San-Programm extra. Ich schätze sowohl den Lernaufwand als auch die Geschwindigkeit, mit der man Noten eingibt, bei beiden gleich ein.Wenn ich mit anderen Leuten Noten austauschen und ggf. weiter bearbeiten möchte, ist es eine gute Idee, dass wir alle das gleiche Programm benutzen. Wenn also 80% der Leute Capella haben, ist Capella die beste Wahl.Wenn es jedoch nicht auf die Weiterbearbeitung ankommt, sondern nur auf das (gedruckte) Ergebnis, dann ist die Wahl des Programmes zweitrangig. Brauchbare Im- und Export-Möglichkeiten für den Datenaustausch bieten alle Programme.

Preise Capella 8 Vollversion: 198 Euro   Forte 9 Premium: 189 Euro  Günther Schättiger

In der Folkszene haben sich viele früh auf Capella spezialisiert. Dadurch ist Capella führend bei uns. Wir können untereinander besser Noten tauschen, korrigieren, Stimmen dazu schreiben etc. hedo holland