324 Skan Rezensionen

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Skan

The Real Group

Three Decades of Vocal Music

www.grappa.no

Das norwegische Quintett ist seit vielen Jahren international unterwegs und singt nur vokal, imitiert Begleitinstrumente durch Hintergrundostinati, durch Schnalzen, Klopfen, Trappeln, Klatschen. Und sie singen vielstimmig und begeistert die Lieder von vielen Jahrzehnten. Und mit jauchzender Freude. Sie bringen so Chor und Orchester gleichzeitig völlig ohne andere Instrumente, als ihre Körper, ihre Stimmen. Und wenn wirklich mal ein Instrument dabei sein sollte, so ist das nicht zu erkennen, so geschickt imitieren sie.

Die Lieder der alten Club- und Hotelmusiken sind gekonnt vorgetragen. Es sind jazzige Lieder und dabei ein Weihnachtsoratorium, dein Song der Samen, alles verträumt und wunderbar arrangiert und zelebriert. Die schönsten Stücke ihrer 30 Jahre Bühne.

 

Ingenmannsland

www.soulsellerrecords.com

Die norwegische Band bringt Tagträume des dunklen norwegischen Winters. Melancholisch mit sparsamen Tönen gesungen und musiziert. Dunkle Bärenmusik zur Musik des Zauberers. Faszinierend , zaubervoll, märchenhaft, mystisch. Alle Musiken und Verse von Erik E.

 

Nilsen ist nicht gerade ein seltener Name, und so denkt man vielleicht nicht gleich daran, aber es ist wirklich so: Siri Nilsen hat einen berühmten Vater, und wenn dieses FM erscheint, hat sie eine Serie von Konzerten mit Papa Lillebjørn hinter sich gebracht. Nicht, daß sie diese Unterstützung brauchte, sie kann es sehr gut allein. Siri Nilsen spielt Gitarre und Dulcimer, singt und schreibt ihre Lieder allesamt selbst. Dazu hat sie etliche Gastmusiker dazugeholt. Für Schlagzeug, Klarinette, Tretorgel und Saxophon, um nur wenige zu nennen (und, wichtig: Trotz des Saxophons erliegt sie nicht der Versuchung, alles in Saxophonklängen zu ertränken, was viele CDs aus dem Norden in den letzten Jahren so unerträglich gemacht hat). Allerdings, vielleicht hätte manchmal eine Prise weniger Synthesizer gutgetan … Sie hat eine so wunderbare klare Stimme, die gerade bei a-capella-Stücken richtig zum Ausdruck kommt. Die Texte, es geht einfach um das Leben, die Liebe und die Versuche, den Alltag irgendwie durchzustehen (und sei es durch Schattenboxen, wie der CD-Titel nahelegt), sind auf ihrer Website nachzulesen, ansonsten: Einfach Hören! Siri Nilsen: Skyggebokser, Grappa Musikk, www.sirinilsen.no

 

Norwegisches Porträt

Ole Paus ist wohl der bekannteste Liedermacher Norwegens, vielleicht vergleichbar mit Reinhard Mey hierzulande. Für viele der erste, den sie überhaupt je gehört haben, alle kennen ihn, alle mögen ihn, er gilt als überaus höflich und freundlich, und ab und zu fällt dann eben auch alle Welt aus allen Wolken, wenn Ole Paus bei einem Auftritt sehr energisch Kritik an Politik und Wirtschaft übt. Weil er vor allem in den späteren Jahren eher sanft und poetisch textet, fällt es vielen offenbar leicht, zu vergessen, daß er eine scharfe satirische Ader hat. Seine Familiengeschichte liest sich wie eine Chronik der norwegischen Geschichte, sein Vater war Generalmajor, sein Großvater norwegischer Generalkonsul in Wien (woher er die Großmutter mitbrachte), er und Henrik Ibsen haben denselben Urururgroßvater, und ein anderer Ururgroßvater war Norwegens erster Generalstaatsanwalt und hatte den umwerfenden Namen Bredo Henrik von Munthe af Morgenstierne. Daß zu den Vorfahren und Verwandten auch Oda Lasson gehört, die Ikone der Kristiania Bohème um 1880, wundert niemanden, und so ist es auch kein Wunder, dass Ole Paus auf der sagenumwobenen LP „Leve Patagonia“ mitgewirkt hat, sein Freund und häufiger musikalischer Partner Ketil Bjørnstad hat darauf eine Art Chansonoper gestaltet, um vor 130 Jahren in ganz Europa berüchtigte Bohèmeszene der norwegischen Hauptstadt dazustellen. Mehrere Dutzend Titel umfasst seine Produktion an eigenen LPs und CDs, dazu kommen mehrere Revuen, eine Oper und neun Bücher, denn während seiner ganzen Karriere hat er immer auch mit einem Dasein als Autor geliebäugelt. Die Liste der Auszeichnungen ist fast so lang wie die der Veröffentlichungen. 2013 gab Ole Paus bekannt, keine CDs mehr veröffentlichen zu wollen, nachdem der Markt auch in Norwegen stark eingebrochen war, gab diesen Entschluss aber auf, als Ketil Bjørnstad ihn zu dem Projekt „Frolandia“ hinzuholen wollte (s. Rezension anderswo in diesem FM). Als kurzes Portrait muß das genügen, wir hoffen,



„Frolandia“ heißt das Schwimmbad der norwegischen Gemeinde Froland, und damit könnte die Geschichte auch schon zu Hause sein. Froland, in Südnorwegen gelegen, teilte den schlechten Ruf vieler kleiner Orte dort unten. Sie seien bewohnt von Hinterwäldlern, die sich nur für norwegische Schunkelmusik und schwarzgebrannten Schnaps interes-sieren, oder von strengen pietistischen Sekten, für die Musik, Alkohol und so ungefähr alles andere außer ernstem Bibelstudium geradewegs in die Hölle führen. Ole Paus und Ketil Bjørnstad beschlossen, den guten Ruf dieser Orte wieder herzustellen, am Beispiel Froland zu zeigen, dass auch im vermeintlichen Hinterwald ein aufgeschlossenes Publikum zu finden ist. Und so entstand „Frolandia“, ein Zyklus von 17 gemeinschaftlich verfassten Liedern, die Wälder von Agder spielen eine Rolle, das Pfeifen der Lokomotive, das von der Welt draußen kündet, es gibt Liebe in diesen Liedern, die Sehnsucht nach einem Ort zum Bleiben, alles auf die typische zurückhaltende Weise getextet und vorgetragen, für die Ole Paus steht, und die gerade wegen dieser Zurückhaltung lange im Ohr bleibt. Es ist ein Meisterwerk, fanden alle, die es schon gehört hatten, die Uraufführung, bei der dann auch die CD eingespielt werden sollte, wurde nach Froland verlegt – und die Lokalbevölkerung bewies, daß sie ihren Ruf als Hinterwäldler wahrlich verdient hat. Die Uraufführung musste nämlich abgesagt bzw. nach Kongsberg verlegt werden, weil die Leute aus Froland nun mal keine Musik wollen, zu der man nicht schunkeln und mitgrölen kann. Wer indes Interesse an norwegischer Liedermachermusik vom Feinsten hat, ist mit dieser CD bestens bedient: Ketil Bjørnstad und Ole Paus: Frolandia, Grappa Music, www.grappa.no (GH)
 
Janerik Lundqvist ist ein schwe-discher Liedermacher, der schon zwei CDs mit Nachdichtungen von Leonard Cohen-Liedern herausgebracht hat. Nun also die dritte im Bunde. Wobei ein Blick ins Beiheft überraschenderweise ergibt, daß Janerik Lundqvist gar nicht alle Lieder selbst nachgedichtet hat, viel häufiger wird dort ein Jimmy Grimsby als Texter genannt. Egal, alle, die hier Cohen schwedisiert haben, verstehen ihr Handwerk. Ein paar Höhepunkte gefällig? „Hvem av lågor“ („Who by fire“) und „Det var så länge sen, Nancy“ (braucht sicher nicht übersetzt zu werden) – hier schafft Janerik Lundqvist das Kunststück, die übersetzten Lieder so zu singen, dass man sie erkennt, man hört den Meister Cohen daraus heraus, und doch klingt alles wie etwas eigenes, ist keine bloße nachgesungene Übersetzung. Gerade bei Leonard Cohen schaffen das nur wenige Nachsinger – aber wer Graeme Allwrights französische Cohen-Versionen mag, wird von Janerik Lundqvist begeistert sein. Janerik Lundqvist: Den tredje. Im Vertrieb von Meyerrecords, http://www.meyerrecords.com/ GH)