Gammeldans & Polska (Schwedisches Tanzen)

Geschrieben von Besucher wandervogel am .

1. In Schweden hatten wir wieder Utby bei Rättvik am Siljansee als wunderbaren Ausgangspunkt und Musik vid Siljan sowie die Bingsjöwoche als Ausgangspunkt, um unser Tanz können zu verbessern und uns richtig aus zu tanzen.

Nach einer Erholungswoche mit über 30° im Schatten war die Tanzwoche dann kühler.

Ich stelle für mich persönlich die Tanzfreude an erste Stelle und nicht das pedantisch genaue Tanzen. Es heißt aber: “Andere Länder, andere Sitten!” Und das Dalarnavolk nimmt seine Traditionen ernst. Da ich sie bewundere wie sie ihre Häuser bauen, ihre Landschaft gestalten und ihre Musik- und Tanzschätze lieben, bequeme ich mich, auch die Tanzschritte zu lernen, die hier seit hundert Jahren erhalten werden.

2.Heiko Mahnke hat vor Jahren auf Deutsch mal einiges zur Polska geschrieben:

3.Wenn ich nun zwischen den Dalarna-Polskas differenzieren, dann gibt es nicht viel mehr schriftlich.

4.Auch im Internet habe ich keine Einzelheiten gefunden.

5.Also will ich mit meinem Laienverstand die paar Unterschiede aufschreiben, die mir deutlich geworden sind. Wer mehr weiß und es verständlich aufschreiben kann, schicke uns das gern, damit wir es für Interessierte Schwedenfahrer und Liebhaber drucken können. Alle Polskas werden im ¾ Takt gespielt und haben in ihren Takten kleine unterschiedliche Besonderheiten, z.B.

  1. Bingsjöpolska:
  2. Rättvikspolska:
  3. Leksandpolska:
  4. Bodapolkska:
  5. Orsapolska:

6.Die Geschichte zur Entstehung der Polska (gegen 1800) habe ich von einer schwedischen alten Schallplatte: Es gab in Augsburg einen berühmten Aufzug zu Tanzbeginn. Musik und Tanzform wanderten nach Breslau. Dort gab es neben den bestimmenden deutschen Bürgern ein selbstbewusstes und erstarkendes polnisches Bürgertum. Der deutsche Aufzug wurde spöttisch als Kehraus und später sogar als Paartanz getanzt. Als die Schweden nach Breslau kamen, lernten sie diesen Tanz kennen, nahmen ihn mit als den „Polnischen“, auf Schwedisch „Polska“. In abgeschiedenen Gegenden entwickelten sich daraus unterschiedliche Formen, die bis heute gern an jedem Bystuge-Abend getanzt werden.

7.Die Spielmannsgruppen (Spelmannslaget) der Kleinstädte spielen mit 15 Geigen oder mehr und vielleicht einigen anderen Instrumenten ( Gitarre, Querflöte, Bass, Zither, Mundharmonika, Bratsche, Akkordeon) „ihre“ Polska und vielleicht auch schöne Melodien einer Nachbargegend. Es werden zwischendurch auch mal ein Schottisch oder ein Walzer gespielt, denn „Gammeldans-Abende“ sind Abende der alten Tänze um 1900.

Seltener gibt es auch mal Slängpolskas, Hopssas, Hambos, Snoas oder Mazurken zu tanzen.

8.Die Musiker treffen sich auch zu Spielmannstreffen (Spelmannsstämman). An das Treffen in Bingsjö am neuerdings am 2. Mittwoch im Juli reiht sich eine Spielmannstour, bei der „Riksspelmannen“ (preisgekrönte Musiker) in Dalarna von Dort zu Dorf pilgern, um dort im „Gammelgarden“ gemeinsam zu musizieren. Die Dörfer haben ab ca. 1900 ihre alten Holzhäuser am Dorfrand in einer Art „Museums- und Kulturgarten“ wieder aufgebaut, um ihre Dorfkultur zu erhalten und zu festigen. Bei diesen Spelmannsstämman gehen auch die schönsten, neusten Spielmannsmusiken und Polskas herum und werden eingeübt, so dass es für die Musiker und Spelmannslaget immer „neues Futter“ zu entdecken gibt.

9.Mittlerweile gibt es auch viele Geiger, Tanzmeister und Tanzenthusiasten, die extra wegen der Polskas nach Schweden, besonders nach Dalarna kommen. Und in einigen Städten Deutschlands und auch Hollands kann man einmal oder mehrmals im Jahr Gammeltanz musizieren, tanzen lernen und nach dem „Workshop“ dann am Abend tanzen. Für die Enthusiasten ist das viel zu wenig. Manche fahren mehrmals im Jahr nach Schweden. Und in Deutschland fahren sie oft weite Strecken, wenn ein guter Tanzmeister mit guten Musiken Schwedentanz anbietet. Termin dazu werden im FM gern veröffentlicht. hh