WANDERVOGEL - PRÄGUNG GESTERN, HEUTE UND MORGEN

Geschrieben von wv am . Veröffentlicht in KOMPASS

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Wandervogelprägung gestern, heute und morgen

Wir sind zur Zeit nur wenige Hartnäckige, die für den Wandervogel lebenslang streiten, weil es sich lohnt. Und das will ich versuchen zu begründen.

Der Wandervogel hat ein freiheitliches Menschenbild, das ohne Ideologie und Machtbestreben den Menschen mit seinem Glück, seinen Freuden, seiner Stärkung, seiner Persönlichkeit im Blick hat.

Menschen dabei zu fördern, das zu entwickeln, was ihnen liegt, was sie wünschen, was sie brauchen, was ihnen hilft. Das entwickelt die Kraft, die Kreativität, das Verwirklichen von Träumen. Deshalb sind viele Wandervögel Künstler, Lebenskünstler, Wissenschaftler, starke Menschen geworden und werden es noch.

Du kannst nun sagen, dass das auch anderswo passiert, gewünscht, gefordert wird. Ich habe mich umgesehen und nirgendwo so gute Voraussetzungen gefunden, wie bei freien Wandervogelgruppen.

Die meisten Nachdenklichen, die ich kennen gelernt habe, konnten gut darüber sprechen. Geschrieben haben darüber kaum welche, da dieser Impetus, diese Quelle der Impulse, dieser Drang nach weltweitem Verstehen mir kaum begegnet ist. Und wenn ich mit Wissenschaftler sprach, dann konnten sie das vielleicht denken und sprachlich ein wenig ausdrücken, lebten es jedoch meist nicht. Viele auch hatten resigniert, weil sie die Worte dafür nicht fanden.

Bei Pfadfindern, bei Robin Hood, beim Naturschutzbund, bei Künstlern fand ich auch Ansätze dazu, aber nicht die Kraft oder den Wunsch und Willen das, was die Grundlage ist für freiheitlich-impulsgebende Persönlichkeiten, an Menschen aus Freude und Überzeugung weiterzugeben.

Ich selbst habe das öfter versucht. In den Bünden, in Hamburg im „Miteinander“ und in Mölln in der „Folkszene“ ist mir das bei mehreren Menschen gelungen.

Bei jüngeren Menschen, die noch nicht so fest geprägt sind, ist das leichter. Es ist auch nur über Freude, Zuwendung, Vertrauen und persönliches Beispiel mit Hartnäckigkeit und Zeitaufwand zu schaffen. Als Medium dienen mir dazu besonders meine Lieder. Da ich mit meiner Intensität und Impulsivität manchmal im Weg stehe, könnte ich darin besser sein. 

Selbst erfuhr ich meine Prägung für den Wandervogel durch meinen Wandervogel-Vater, durch Hans Muchow, (den großen verketzerten Wandervogel), durch den Praktiker Amme von den Fahrenden Gesellen, durch den überfleißigen Gerhard Neudorf vom Wandervogel DB.

Und ich hatte so viele Anregungen, dass ich, nachdem ich beruflich Manager war, zum Jugendherbergswerk als leitender Mitarbeiter ging, dann Lehrer wurde und nebenbei das „Miteinander“ ein Stadteilzentrum in Hamburg jahrelang leitete, im Vorstand der AG Stadtteilkultur war und dann in Rente nach Mecklenburg zog, um dort Neues aufzubauen und mit Freunden von den "Elbraben" den Wandervogel e. V. wieder gründete, einiges mehr bewirken im NABU konnte.

Die Medien verdienen beim Kurzfristigen, an Sensationen, an Ablenkung, an Neuigkeiten. Das Prägende, Nachhaltige, Bildende kommt meist zu kurz. Von Parteien, Schulen, Kirchen, Organisationen ist bisher leider zu wenig zu erwarten.

Menschliche Zuwendung, Kinderförderung und Identitätsbildung kommen meist zu kurz. Nicht umsonst leben fast 20% der Kinder in Kinderarmut, für unsere reiche Gesellschaft ein Armutszeugnis, eine Schande. Wer tut von großen Organisationen geradlinig viel dafür?

Wir im Wandervogel haben als Grundstock das "Raus in Welt und Wald" und verantwortliche Freiheit behalten. Die von Nazis missbrauchten Prinzipien wie Volkstum, Volk, Deutschland und Heimat als Deutsch-National haben wir pauschal abgetan.

Wir haben noch keine wirkungsvolle Sprache mit Erklärung dafür gefunden haben, was an Identifikation und an den verbrämten, pauschal aufgegebenen Begriffen gut wäre. Damit werden wir unserer notwendigen Linie mit ihren Werten noch nicht wieder gerecht. NaturKultur ist gut, allein besagt sie nicht voll, was Wandervogel ausmacht. Schlagwörter wie  Frieden, Völker, Mitmenschlichkeit, NaturKultur reichen auch nicht allein.

Wie haben wir Kindern, Jugendlichen und Zuwanderern zu erklären, was uns wichtig? was für hier Lebende, wichtig ist an unserer Sprache, unserer Heimat, unserer Kultur, unseren Traditionen, unserer Geschichte und der Persönlichkeitswerdung? Da fehlt etwas, das ich bisher nur in den Liedern, in meinen Gedichten zum Klingen bringen kann.

Wenn wir gemeinsam am Feuer sitzen, singen, erzählen, dann raunt es wie ein Ahnen aus mehreren von uns, was reich ist, was Kraft spendet, was verbindet, was als fehlend empfunden wird, jedoch für viel nicht mehr verständlich ist, wofür Voraussetzungen fehlen, was Schulen und Medien nicht mehr vermitteln, was weitgehend als eng, alt, verstaubt angesehen wird. Als ob die Sensoren, die Antennen für das wertvolle Überlieferte bei vielen verstopft seien. Dabei sind sie jedoch wertvolle Helfer für das Glück eines jeden.

Wenn früher vom „Heiligen deutschen Reich“ gesprochen wurde, dann war es oft mit Pathos, mit Heldenhaftigkeit verbrämt. Da haben wir gelernt, dass das nicht in die Zeit gehört. Wir haben mehr an die heutige Not und unsere Zukunft und die des Wandervogel zu denken und nicht so sehr an Helden, an Opfer, an ehemals Herrschende. Die Fehler des Deutsch-Nationalen brauchen wir nicht mehr zu machen und auch nicht das Nationale besonders betonen und überhöhen. Auch Europa und die Welt sind heute unsere Heimaten.

Aber das, was unsere Heimaten, unsere Sprache, unser Zuhause, unser Denken prägte und prägt,  das ist neben der Schaffung von Nachhaltigkeit für die Zukunft wichtig für den Wandervogel.

Denker und Schreiber sagen „echt“ dazu und „Geist des Wandervogel“. Wenn ich aber „deutsch“ und „reich“ und Heimat durchleuchte, dann sind prägende Werte darin verborgen, die es zu erhalten und zu betonen gilt.

Manche sehen besonders die Zukunft, die meisten fast meist den Tag, manche das Gestern. Das ist zu einseitig. Die "Regenbogenbrücke" vom Gestern übers Heute ist Morgen wird dichterisch öfter beschrieben, fehlt aber in Der allgemeinen Sprache, vielfach in Emotionen, Schule, Politik, Medien, Wirtschaft und Leben.

Wenn ich nicht aufrecht und überzeugt als Lehrer Deutschland mit seiner guten und schlechten Geschichte und Sprache voll vertrete, sondern einfach Teile der Geschichte, des Entwickelns, ausspare, wie soll ich dann Kindern und Jugendlichen sagen, was wichtig ist, was sich bewährt, was in die Zukunft zu tragen ist? Wie soll ich dann „herrlichen, jungen Wesen“ klar den Weg weisen zu ihrem Weg, ihrem Können, ihren Wünschen und Talenten? Wie soll ich das dann besser können, als die meisten Eltern heute?

Am deutschen Reiche soll die Welt genesen war ein verkehrter Spruch von Kaiser Wilhelm 2. Noch verkehrter war Hitlers und Rosenbergs  Ideologie, reinrassig Deutsche als bessere Menschen hinzustellen und andere zu entwürdigen und zu töten.  Der Wunsch von 1848, die Völker deutscher Sprache zu vereinen, war aber richtig und betont das Miteinander und nicht das Ausgrenzen.

Der Wandervogel ist großartig, besonders für den, der ihn möglichst jung erleben durfte.

Für heute, für Erwachsene, für Kinder und Jugendliche, für Zuwanderer fehlen uns oft noch die Worte, gegen falschen Moden, Oberflächlichkeiten und Ablenkungen. Aber wir Wandervögel sind auf dem Weg und einige von uns zeigen ihn. 

Ich hoffe, es kommt bald ein praktisch denkender Mensch, ein Wandervogel, der den Weg aufzeigt, der Wegweiser ist, für Jung und Alt, besser als Fußball, Mammon, Mode, Starkult und Eintagsfliegen.

Es ist an der Zeit, es liegt in der Luft. 

hedo. (Mittwoch, 23.11.22 Rabenhof, Lüttenmark)#

WANDERVOGELGESCHICHTE & DER SINN HEUTE   

Wie ich den Wandervogel erlebte und sehe - Weshalb ich Wandervogel bin?

Um 1892 entstand die erste Wandervogelgruppe am Steglitzer Gymnasium. Eine Gemeinschaft, die raus in die Natur wollte, und leben, was echt, natürlich, ungekünstelt, ehrlich war, möglichst frei von der Enge der Stadt und Freiheit vom preußischen Gehabe.  Dabei ist der Wandervogel bis heute geblieben. Mein Großvater und Vater waren schon Wandervögel, so dass ich von Kind an schon Wandervogel sein darf.

1913 gab es bereits mehrere Bünde und mehrere tausend Wandervögel, die sich in unserem „Wandervogel e.V.“ zum großen Teil zu einem Bund zusammenschlossen. Auf dem Hohen Meißner bei Kassel trafen sich viele Wandervögel und Lebensreformer als >Protest gegen ein großes Brimborium vom Kaiser Wilhelm, der das Datum 100 Jahre Völkerschlacht bei Leipzig mit Brimborium feiern ließ. Wandervögel entschieden sich für Lebensreform und Frieden und beschlossen mit befreundeten Gruppen die für uns bis heute geltende Meißnerformel: Ich will mein Leben mit innerer Wahrhaftigkeit und vor eigener Verantwortung selbst gestalten (für mich selbst und in Gemeinschaft).

Dann kam der 1. Weltkrieg. Viele Wandervögel sind gefallen. Mädchen und Frauen übernahmen Führungsaufgaben. Der unfähige Kaiser Wilhelm 2 wurde abgesetzt. Demokratie zog in Deutschland ein.  Unser Wandervogelbund hatte nun Bundesmitglieder von Kindern bis zu Erwachsenen. Kurzfristig gab es einen Zusammenschluss mit Pfadfinder, u.a. als Gegenpol zu den aufkommenden Nazieiflüssen.        

 1933 wurden diie freien Bünde verboten, Pfadfinder, Jungenschaften und Wandervogelbünde von Nazis verboten und viele Wandervögel wurden wegen Ablehnung des Naziregimes und wegen ihres Protestes und Freiheitswillens verfolgt. Sie waren gegen eine Staatsjugend. Viele Wandervögel waren im Widerstand. Nach dem Krieg wurden die Wandervogelgruppen auch in der DDR verboten.  Dadurch gab es im Westen 12 Jahre, im Osten Deutschlands  56 Jahre Wandervogelverbote.

In Westdeutschland wurden1946 ‚Wandervogelgruppen wieder gegründet. Unser Bund war im Vereinsregister eingetragen und in Braunschwieg lebten einige Wandervögel, die den Bund für sich beanspruchten. Mehr ist mir darüber nichtbekannt. Wahrscheinlich hat es auch wieder einige Gruppen des Wandervogel e. V. gegeben. Als ich den Rabenhof gekauft hatte und nach Mecklenburg zog, Konnte ich den Wandervogel e. V. 1998 in Lüttenmark wieder gründen.

Unser Bund hat sich langsam entwickelt und hat nun an die 80 Mitglieder, die aus vielen Bundesländern und auch aus dem Ausland bei unseren Treffen dabei sind. Alle, die sich für Mitmenschlichkeit, Weltweitheit, Freundlichkeit miteinander und für Naturkultur sind, können mitmachen und dazugehören. Mit seinen Liedern und zu besonderen Treffen, Festen und Fahrten lädt er offen Interessierte ein. Wer mitmachen will, ist herzlich eigeladen, auf dem Rabenhof in Lüttenmark mitzumachen. Es ist ein Freundeskreis entstanden, der den Bund trägt.                     hedo

Dalarna Jahrelang fuhr ich mit monija einen Sommermonat im Juli nach Dalarna.
-Da, wo die Menschen das Geigenspiel lieben und die herrlichen Dalarna-Musikstücke und -Lieder spielen.
-Da, wo die Menschen den besten Geschmack der Welt haben (Nach meiner Meinung). Wo vielfach ein Zusammenklang von Kunst, Kultur und Natur gefördert und gelebt wird.
-Da, wo meine Freunde Björn und Anja auf ihrem Waldbauernhof im Vogelsang bei Leksand auf Björn Olasgarden leben.

Dalarna, Du fehlst mir. Wegen Alter und Beschwerden ist der Weg mit dem Aufo zu weit. 
Wir hatten in der Blütezeit zur Hochzeit des Jahres um Mittsommer eine Stuga nahe des Siljansess und waren glücklich zwischen Blumen, bunten Häusern, Seen und verwunschenen Wanderwegen in der Bingsjö-Musizier- und Tanzwoche und den Tagen drumrum in Rättvik, Boda, Osbjörka..... Wir tanzten Polskas, Hambo, Walzer und Schottisch und sind Schwedenfreunde geworden. Björn und Anja, wir wünschen Euch alles Liebe, Schöne und Gute. Und in schönen Sommernächten bin ich im Traum und in Gedanken oft bei Euch in Dalarna.  

DAS HERRLICHE DOPPELLEBEN DER WANDERVÖGEL

In einer er Gedankenwelt ein künstlerisches Doppelleben führen. Ein Doppelleben, das wir Romantik ironische Romantik nennen, kühn definiert nach Wandervogelart: Nicht weg von der oberflächlichen Wirklichkeit und nicht weg von harter Realität und Politik, sondern als Bereicherung. Manche nannten das „jungenschaftlich“, wir nennen es jetzt NaturKultur.

Wenn es den Wandervögeln am Himmel nicht gut geht, wird es uns auch nicht gut gehen. Darüber sind wir uns alle einig. Deutlich sehen wir das besonders, wenn wir uns als Wandervögel bezeichnen und fühlen. 

Wir wir mit Fahrten allein und gemeinsam uns die Welt erobern.

Wenn wir die Jahreszeiten besonders betonen, weil es für Stadtmenschen notwendig ist, mit Jahreszeitenfesten, Maibaum, Erntebaum und Waldweihnacht. 

Wenn wir bei unseren Festen mit machen, die Festtafel mit den Speisen ehren, nicht nur das Fest konsumieren. 

Wenn wir betonen, dass es uns zumeist besser geht, als den Generationen vorher. Wenn wir die Erde und die Vielfalt der Kulturen der Völker lieben und auch unsere Kultur. 

Wenn wir Geld und Egoismus nicht an die erste Stelle stellen. 

Wenn wir Natur schützen und sie uns verlebendigen mit Elfen, Riesen, Zwergen, Sagengestalten, fahrtzenerlebnissen.

Wenn wir Geschichte und Heimat betonen, ohne sie zu glorifizieren. 

Wenn wir am Feuer singen, die alten Tänze tanzen und dazu musizieren. 

Wenn wir dafür schreiben, denken, sprechen, malen, fotografieren, filmen. Ja, damit nehmen wir von unseren Treffen einen Reichtum mit nach Hause, den uns keiner nehmen kann, der uns Freude bringt und Kraft gibt. 

Dafür lohnt es sich zu arbeiten, zu denken, zu werben, auch anderen Menschen diese Freude und diese Kraft zu schenken und unseren Wandervogel-Bund zu stärken. Eben: Selbst Wandervogel zu sein, Frauer und Männer, Kinder und Jugendliche.

Es lebe der Wandervogel. Es lebe unser Bündnis!  hedo

GRAFIKEN ZUMEIST VON WANDERVÖGELN

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