BERICHT: Estlandfahrt

Geschrieben von wv am .

Über den Wolken geschrieben
Eine Fahrt mit sechs alten Bündischen 14 Tage nach SW-Estland war für mich die erste Männerfahrt. Meine Neugier lag deshalb beim mir noch unbekannten Land wie beim Test meiner Anpassungsfähigkeit. Mit dabei waren Oli, Bernie und Dietmar, ingo, stoj und ich. Der Hin- und Rückflug von Berlin nach Tallinn ging schnell und war preiswert. Einige besondere Erlebnisse schildere ich.

Am Ende der Welt
Die private, preiswerte und zünftige Jugendherberge von Old Church, einem deutschen Pfadfinder, in Kalda Talu kam uns recht.
Wir bekamen das schönste Haus, Berni kochte, kaufte eine und machte die Kassen, wir liehen uns von OC einen Ford mit 8 Plätzen, machten mehrere Touren und am Bande Lagerfeuer mit vielen Liedern, lernte neue Lieder, nutzten die g¸nstigen Estlandpreise, holten uns gute Informationen und hatten fast jeden Tag sagenhaftes Wetter.

Nationalfeiertag
In der Kirche in Otepää gab es klassische Konzerte von jungen Geigenspielern mit Stücken von Paganini, Mendelsson-Bartholdi und anderen. Die jungen Preisgewinner spielten virtuos und mitreissend. Das anschlieflende Volksfest mit Gratis-Borscht-Suppe und Leckereien war verbunden mit Shows von Wehrsportgruppen. Estland war lange unterdrückt und besetzt von Deutschen, Russen und Schweden. Es wappnet sich, um nicht erneut überrannt zu werden.

Tartu
Beim Besuch der Universitätsstadt hatten wir ausnahmsweise etwas Regen. Deshalb beschränkten wir uns auf einen Altstadtspaziergang.
In Antiquariaten bekamen wir Liednoten. Wir erfuhren, dass es an der Uni folkloristische Diplom-Studiengänge auch für Klöppeln und Holzflechten gibt.

Riga
Da wir nahe der Grenze von Lettland wohnten, machten wir mit dem Ford einen Abstecher nach Riga.
Die Innenstadt dort haben wir genossen. Riga ist wohl die Stadt mit dem größten erhaltenen Anteil nordischer Backsteingotik, mit vielen schˆnen Bauten. Schˆne, alte Cafés und ein Stadtrundgang, wie ich ihn selten erlebte. Was mich aber noch mehr beeindruckte, waren die vier Markthallen, durch die ingo und ich gingen.

Bernies Lob
Das Kochen übernahm unser Bernie, Frühstück, Mittagessen, nachm. Tee, Kaffee und Kuchen, so wie das Abendessen. Beim Abwasch halfen mehr oder weniger alle mit. Ein grßes Lob an unseren fleifligen Küchenchef Bernie. Er hatte alles im Griff. Fast alle spendierten Getränke, Grillsachen und Leckereien.

Folkfest in Valga
20 km bis zum estische Valga und zum lettischen Valka. Dort gab es ein erstes Folkfest. Tanz-, Trachten- und Musikgruppen aus Esland, Lettland und Russland traten auf. Wir durften das Fest mit dem Lied "In die Sonne, die Ferne hinaus" eröffnen. oli fotografierte. Es gab leckeres Essen und anschließend ein Mitmachtanzen., bei dem einige von uns mittanzten. Wenige der Teilnehmer sprachen Deutsch. Wir unterhielten uns deshalb auch meist auf Englisch. hedo spielte mit einem estnischen Instrumentenbauer Kantele und Gitarre. Als russische Gruppen auftraten, verließen viele Teilnehmer die Sitzplätze an der Bühne.

Kanufahrt
mit Dietmar und Oli. Es war eine sehr anstrengende und ereignisreiche Paddelei mit dem Kanu durch diese ökologische Plätze. Die Fahrrinne muflte erst von Oli und mir Meter für Meter erstellt werden. Uferböschungen waren naturbelassen, nicht beschnitten und durch Bäume, Astwerk, Schilf, vermodertes Holz , tote Tiere ( u. a. ein Biber ) einfach urwaldlich heruntergekommen und nicht mehr begehbar. Oli und ich mussten ins Wasser um den Ruderweg mit dem Kanu befahrbar zu machen. An einem großen Biberbau dann vorbei und ca. 100 m vor dem Ziel versperrte uns noch ein riesiger umgestürzter Baum endgültig den Weg. Vom Wasser aus hievten wir dann unser Boot über den Baum, nachdem wir ihn erst einmal freigelegt hatten, bis wir dann endlich unser Ziel erreicht hatten nach Fäulnis und Moder stinkend und uns einiger Blutegeln entledigt hatten. Der Flusslauf heißt: Väike Ema Jogi ( Kleine Mutter Fluss ). Wie muss da erst die alte Mutter aussehen; ( Grins ). In knapp 6 Stunden hatten wir ca. 10 km hinter uns gebracht. Auf einem überholungsbedürftigen Flsssteg landeten wir endlich. Ein netter Este half uns dann, per Handy Old Church zu erreichen, ihm mitzuteilen, wo wir waren. Old Church holte uns dann samt Boot ab, nachdem wir diese Flusstaufe heil überstanden hatten, trockneten wir erst einmal die Papierunterlagen, Klamotten in die Wäsche und genossen ein langes Duschen. Ein tolles Abenteuer. (Dietmar)

Männerfahrt
Wer eine Männerfahrt macht, kann sich auf etwas gefasst machen. Besonders dann, wenn Männer zusammen unterwegs sind, die in keiner gmeinsamen Gruppe sind und noch nie zusammen unterwegs waren. Jeder hat unterschiedliche Wünsche, Vorstellungen und eine andere Sozialisation. Auch wenn es Bündische sind. Der Eine möchte vieles übersichtlich vorbereitet haben, der Andere lässt sich in den Tag treiben und hofft, dass er ihm gutes beschert. Dazwischen herrschen guter Wille und Improvisation.

Auch Konsumgewohnheiten sind unterschiedlich. Der Eine isst gern fett und fleischig, der andere gern Müsli und Gesundheitskost. Dazwischen gern satt, köstlich und gut gewürzt. Diese Abstimmung traf Berni großartig und preiswert. Die Einen mögen Bier, Wein, Likör. Die Anderen haben das Glück eines variablen und schnell reagierenden Adrenalinpegels, so dass sie keinen Alkohol brauchen, um fröhlich zu sein. Die gute Allgemeinstimmung glich die Unterschiede gut aus. Ein einziges Klo mit Dusche für die sechs Jungs dieser Typensammlung war schon eine Herausforderung. Selbst der defekte Spülkasten wurde am Ende dann doch von allen gemeistert.

Das Gemeinsame mit Wünschen nach Fahrten, Erlebnissen, Singen, neuen Liedern, gutem gemeinsamem Essen und Trinken, besonders die gegenseitige Rücksichtnahme machte unterschiedliche Gewohnheiten und Egoismen wett. Und Old Church (Ulrich Altenkirch), der Herbergsvater, bekam ein dopelltdickes Lob, da er immer aushalf und für uns da war, wenn er konnte. (hedo)

Fazit
Eine Männerfahrt in jedem Jahr können wir uns beide gut vorstellen. Das gemeinsame Singen, Klampfen und Grillen am Feuer hat uns besonders gut gefallen. Wer nach Estland will, der kann uns gern fragen. Wir geben gern Tipps. Danke allen, die mitwirkten, besonders Bernie und Old Church.                                                                                                                                                                                                                                                                                     Dietmar + hedo