Wandervogelbünde ab 1945

Geschrieben von wv am .

21014_1576759419318265_5476775981774575691_n 2 Kopie.jpeg       Wandervogelbünde ab 1945

Ab 1945 konstituierten sich die Wandervogelbünde neu, teils in früherer, traditioneller Form teils erneuert mit freiheitlichen, weltweiten Gedanken. 

Einerseits am Rhein und im Bergischen die vitalen, lauten Männerbünde um die Oelbermanns mit den Nerothern und ihren Abspaltungen, der Zugvogel um Gero, der Wandervogel Bund für Jugendfahrten um Hannes, der Weinbacher Wandervogel um Fabian und der autonome wandervogel mit wirkungsvollem, selbstgeschaffenem Liedgut, oft kunstvoll vorgetragen und später auch unser Bund Wandervogel e.V.

Im Norden, Süden und in der Mitte Deutschlands entstanden die gemischten, koedukativen Wandervogelbünde nach 1945 neu, besonders der Wandervogel DB, der durch Drogenverweigerung, besondere Schriften, Tanzen und große Singeleistungen starke Wirkungskraft entfaltete, besonders gestärkt durch Kraft und Fleiß von Gerhard Neudorf.

Außerdem gab es viele kleine Wandervogelgruppen und neue Bünde. Die deutsche reformjugend, die Fahrenden Gesellen mit dem Mädelwanderbund, die Gefährtenschaft und der wandervogel e.v. sind in diesem Zusammenhang zu nennen.  Großartige Singeleistungen gab es auch hier. Jüngster Spross der Wandervogelbünde ist der von Gerhard initiierte Wandervogelverbund. 

Diese zwei Hauptrichtungen bestimmen bis heute die Wandervogelszene in Deutschland, die Männerbünde, die Gemischtennd auch zwei Frauenbünde. Die Richtungen hatten untereinander wenig Kontakt. Die Männerbünde im Westen grenzten sich von den anderen Wandervogelbünden stark ab.

Manchmal wirken sie teils zusammen. Kontakte zu den Wandervogelbünden in Österreich und Japan bestande sporadisch oder nicht. 

Verbunden sind die Bünde durch das gemeinsame Bekenntnis zur Meißnerformel in abgeschwächter Form: Alkohol und Nikotin werden teils nicht abgelehnt, der Begriff "freideutsche Jugend" wird nicht mehr verwendet, das geschlossene Eintreten für die Meißnerformel wird unterschiedlich bekundet. 

Gemeinsam bleibt der freiheitliche Rumpfsatz: "Wir wollen das Leben in eigener Verantwortung, mit innerer Wahrhaftigkeit, vor eigenem Gewissen selbst gestalten." "Und in Gemeinschaft" fügen wir hinzu.

Erwachsene spielen heute in fast allen Bünden eine große, oft tragende Bedeutung. Disten Wandervogelbünde haben heute nicht Jugendliche, sondern sind  "Lebensbund".

Nach 1945 bildete sich der Ring junger Bünde, in dem sich die meisten der Wandervogelbünde zusammen schlossen.  Den Ring bündischer Jugend gibt es bis heute. Dabei sind auch einige Pfadfinderbünde, die stark vom Wandervogel geprägt wurden. Auch jungenschaften gehörten dazu. Die graue jungenschaft mit dem ehemaligen Schiff "Falado" ist eine jungenschaft, die es noch gibt. 

Der Ring junger Bünde sorgte für Zuschüsse, verlor mit den Jahren an Bedeutung und ließ die Kluft zu den Pfadfinderbünden größer werden, die allgemein vom Staat Zuschüsse annehmen, sich voll an die Gesellschaft anpassen und eigene Pfadfinderverbände haben. 

Die Situation führte beim Meißnerlager 1988 dazu, dass Gerhard Neudorf, lampi und Freunde die bündische Kulturinitiative bildeten mit der Zeitschrift "Idee und Bewegung", die zum einem Bindeglied vieler Bünde wurde, und die nun auf Gut Steimke, kurz vor Gerhard Tods, Heimat und Zentrum fand. 

Ein Zentrum, aus dem sich noch mehr entwickeln kann, vielleicht eine Fortführung der "Pädagogischen Kolloquien" von Gerhard.

Gerhards Traum war, aus der Kulturinitiative eine eine "Wandervogelakademie" für Pädagogik, Kultur und Natur zu gründen. Ein Gedanke, die bündischen Wissenschaftler zu vereinen und den Wunsch zusammen zu fassen, der fast alle Wandervögel eint: Endlich in Deutschland für die Menschen ein Zentrum zu schaffen, in dem die besten und bewährtesten Erkenntnisse für Mensch, Natur und Kultur zusammengefasst und gelehrt werden. Auch Nutzung von Impulsen und Ansätzen aus den USA, aus Japan, Finnland, Schweden, Dänemark ist denkbar. Der Wandervogelgedanke ist für die Zukunft brisant und vorwärtsweisend und findet immer wieder neue kreative Formen.h

Gerhard Neudorf - G e r h a r d N e u d o r f z u m G e d e n ke n  FOLKMAGAZIN.DE Seite 23 - 273 Logbuch von Fahrten + Festen. 

Gerhard Neudorf ist gestorben. Ihm zum Gedenken bringen wir die folgenden Gedanken.

Gerhard war ein Mensch, der lebenslang der für den Wandervogel brannte, und der für den daraus resultierenden Fortschritt in Gemeinschaft hart gearbeitet und gestritten hat.

Nicht jeder konnte seine kategorischen Strenge ertragen. Aber geachtet und anerkannt haben ihn viele.

Mit all seiner Strahlkraft und Bedingungslosigkeit war er ein großartiger Mensch. Er war Vordenker und Bindeglied, Impulsgeber und der Eckhart des Wandervogels.

Gerhard, auf Griechenlandfahrt, im Initiativkreis der Kulturinitiative und im Wandervogel-Älterenbund haben wir manches gemeinsam erdacht. Du nanntest mich öfter den Goldmund und Dich den Narziss. Wir rasselten auch aneinander.
Meist glätteten wir die Wogen bald, da wir einander schätzten. Öfter nutztest Du meine meine Stärke, Impulse geben zu können.

Als ich mich aus der KULTURINITIATIVE zurückzog, um den Rabenhof in Lüttenmark zu renovieren und auch mit durch Dich inspiriert, den freiheitlichen wandervogel e. v. wieder aufzubauen, besuchtest Du mich mit Horand, Deinem Sohn.

Gerhard, ich denke oft an Dich. Du hast mir viel gegeben. Du warst eine der großen Wandervogelpersönlichkeiten nicht nur nach 1945.
In vielem, was es heute an bündischer Entwicklung gibt, ist Dein Wirken zu spüren.

Dafür danke ich Dir. Dein hedo

Ich sandte zur Gedächtnisfeier und zur Beerdigung Gerhards meinen Liedtext „Im Fiedelers Grün", der dort von Iris Mannke vorgetragen 

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