Tanz - Tanz-+Folkverbände - Kulturerbe

Geschrieben von hedo holland am .

Entwicklung des DBT

Der Deutsche Bundesver-band Tanz wurde ursprüng-lich von Volkstanzgruppen gegründet und hat sich von ihnen entfernt.
Modetanzen bekommt heute dort den entscheidenden Stellenwert.

Das Bewährte und Überlieferte hat in der Spitze des DBT einen geringen Stellenwert. Es wird kaum etwas dafür getan und wird nicht nachhaltig gefördert im Gegensatz zur Handhabung in allen Nachbarländern.

Hundert von Volks- und Folkloretanzseminaren wurden jedes Jahr ange-boten. Zum Teil wurde sogar mit Volkstanzorganisationen in anderen Ländern praktisch und offiziell zu-sammengearbeitet.

So lange wie der DBT seinen Jahreskalender noch druckte und seine Zeitschrift „tanzen“ heraus brachte, konnten sich Volks- und Folktanzkreise im DBT noch partiell wieder finden.

Da die von Volkstänzern aufgebauten Strukturen u. a. mit Tanzdatenbank, Seminar-werbung, Ehrenmitgliedern, Ausbildung noch greifen, ist eine Zustimmung zwischen Praxis, Gewohnheit und Treue noch vorhanden, auch wenn die Wirkung längst nicht dem entspricht, was für Volks- und Folk-tanzkreise nötig wäre, und was die LAGen allein nicht leisten können. Auch Bezuschussung für die Basis gibt es nur in einigen Ländern, aber nicht bundesweit.
Heute heißt es für die Folkloretanz - LAGen zumeist: Still halten, den DBT nutzen, wenn es geht, zu versuchen auf die Leistungs-, Mode- und Nationalitätenschiene aufzuspringen.

Einige LAGen fühlen sich nicht vertreten wie die LAG-Tanzen Hessen, die LAG-Tanzen Berlin und die LAG-Tanz Hamburg.
Hessen und Berlin traten aus, Hamburg gehört schon seit seiner Wiedergründung nicht mehr dazu. Ein anderer Kreis wird fälschlich vom DBT als LAG-Tanz Hamburg e. V. aufgeführt.
Einige LAGen, besonders aus dem Osten, rangieren sowieso unter ferner liefen.
Da fragt es sich, was für Alternativen gibt es?: Die Deutsche Gesellschaft für Volkstanz (DGV), die weiterhin Mitglied des DBT ist, ist dabei, sich für Folktanzgruppen zu öffnen. Da fehlt bisher die Einbeziehung und enge Verbindung von Lied und Musik der Folkszene.

Der andere Folkloreverband für Folklore „Profolk“ hat sich wiederum dem Volks- und Folktanzen bisher nicht geöffnet.
Deshalb gibt es für intensive Folktanzgruppen – Bands und Tanzkreise -, die europä-isch-international tanzen, musizieren und singen, bis-her keine Alternative, auf Deutschlandebene vertreten zu sein.

Es fragt sich, wer sich von DBT, DGV oder Profolk sfür das bisher unvertretene Segment von Gruppen öffnet, so, wie es in Nach-barländern seit vielen Jahren erfolgreich ist.

Vierte Alternative wäre die Gründung eines weiteren Dachverbandes, der zur Zeit in allen Bundesländern Mitglieder finden und gewinnen könnte.
Offiziell auf Bundesebene sind die Vertretungsmög-lichkeiten mit Zuschuss-chancen weitgehend vergeben. Auf Landesebenen ist vielleicht teils noch etwas zu erreichen, da der DBT bei den Verwaltungen vieler Bundesländer bisher wenig in Erscheinung getreten ist.

Zur Zeit ist in der DGV eine Erneuerung zu spüren.
Es hat dort wegen Überalte-rung seit einiger Zeit ein Umdenkungsprozess eingesetzt, der neuere Entwicklungen und Aufgaben mit einbezieht.
Dadurch könnten besser neue Gedanken und Vor-schläge so einfließen, dass Raum geschaffen werden kann für die, die bisher unvertreten oder zu wenig vertreten sind.

Ebenfalls können neue Strukturen für bessere Zusammenarbeit mit der Folkszene geschaffen wer-den. Musikanten könnten dann besser gewonnen werden und auch frei Folktanzgruppen besser gewonnen werden.

Vielleicht ist es dann bei Einbeziehung der „Europäischen Tanzkrei-se“ und der freien Gruppen und überregionalen Fol-kies und Folkmusiker nicht einmal notwendig den Namen der DGV zu ändern.

Das Wort „Volkstanz“ würde wohl nur wenige Folkloristen stören. Die wortverbindung „Deutsche Gesellschaft für Volkstanz“ auch kaum, wenn sie sich einen Untertitel geben würde, der das Europäische mit einbezieht.       hedo holland

(Folkies sind z.B. Musikanten, Europatänzer, Nationaltänzer und Gruppen, die musizieren, tanzen und singen. )               


Zukunft
Wohl alle Leser möchten, dass es mit dem Volkstanzen bergauf geht. Es ging zu lange bergab. Wenn die DGV den notwendigen „europäischen Schritt“ struktuell, personell und praktisch schafft, ist viel für alle gewonnen.

Musik und Volkstanz
Zwischen Musikanten und Volkstänzern ist in den vergangenen Jahren eine Kluft entstanden.
Wenn es geschafft werden könnte, diese Kluft zu über-brücken, könnte gemeinsam viel an Stärke der Tanzszene gewonnen werden.
Die Musik bei Auftritten und auf Tonträgern könnte qualitativ besser werden. Das wiederum würde Hörern allgemein die Volkstanzmusik interes-santer machen. Dadurch können auch besser Tanzinteressierte gewonnen werden, auch jüngere.
Das muss doch bei uns möglich sein, wenn es anderswo klappt. h

Austritte aus dem DBT
Liebe Tanzfreunde, liebe Kolleginnen, liebe Kollegen,
nach der LAG Tanz Hessen e.V., der Deutschen Gesell-schaft für Volkstanz (DGV)e.V. und dem Musikverlag aus Ba Wü tritt auch die LAG Tanz Berlin e.V. zum 31.12.2014 aus dem DBT e.V. aus.

Die Belange des Volkstanzes allgemein werden, nach unserer Einschätzung, seit ca. 25 Jahren nicht ausreichend berücksichtigt. Einige weitere Aspekte, die zu unserem Austritt geführt haben, findet ihr im Text des Kündigungsschreibens. Wir werden in die DGV e.V. eintreten, in der Tänze aus vielen Ländern und Deutsche Tänze/Volkstänze gleichberechtigt vertreten werden.

Volkstanz lebt und soll unter dem Wort „Volkstanz“ die öffentliche Aufmerk-samkeit erhalten, die er als bürgerschaftliches En-gagement für Musik und Kultur verdient, so wie die Chöre und ihre Verbände.

Wir bleiben so wie wir sind: Engagiert, kreativ sowie gesprächs- und koopera-tionsbereit!

Herzliche Grüße
Ingrid - Eveline Krause
für den Vorstand
der LAG Tanz Berlin e.V.

DBT im folkmagazin    
Hallo Hedo, ich höre es nur, ohne es selbst gelesen zu haben, dass Du weiterhin aktiv gegen den DBT „stänkerst“ (das war das Wort, das mir mitgeteilt wurde, d.h. ich zitiere es lediglich, darum auch die Anführungszeichen). Kannst Du mir dazu die relevanten Artikel (oder ggf. die letzte Ausgabe bitte senden?). Ich weiß zwar, dass Du keine Leserbriefe veröffentlichst (selbst, wenn Du die Leserschaft zum Schreiben aufgefordert hast), die Dir inhaltlich nicht in den Kram passen, aber das mag ja etwas anderes sein… Mit kollegialen Grüßen, Matti Goldschmidt
(Vorsitzender LAG Tanz in Bayern e.V.)

Brainstorming für Tanzkreise
Wer in einer Stadt keinen „internatio-nalen“ Tanzkreis hat mit vorrangig eu-ropäischen Tänzen, der hat es aus mehreren Gründen nicht leicht, so einen Kreis zu gründen.

Wir haben es „auf dem Dorf“, weit ab von Städten, in Mecklenburg geschafft, so einen, unseren Lüttenmarker Tanzkreis zu gründen. Vielleicht ist es deshalb als „Brainstorming“ gut mal diesen Artikel zu lesen und bei Interesse mit uns zu telefonieren oder uns bei einem unserer Feste zu besuchen.

Ich als einer der Gründer habe allerdings als Sprecher der LAG-Tanz Hamburg und des FolkClub Hamburg einige Erfahrung eingebracht, zumal ich gern tanzen und gut unterrichten (oder besser Impuls geben und weiter geben) kann. Meine weiteren Vorteile sind, dass ich gern tanze und gern Leitungsfunktionen abgebe. Hinzu kommt, dass ich mir einen Restbauernhof kaufen konnte und einen schönen Tanzsaal ausbauen konnte. Durch diese Voraussetzungen haben wir eine gute, freundschaftliche Gruppe, die nun seit 14 Jahren besteht, zum Wandervogel gehört und 15 Mitglieder hat. Musikanlage, gute Aufnahmen, Tanzcomputer, aufbauende Feste mit guten Tanzmeistern… alles das hat sich dann dazu ergeben.

Wer in einer Stadt gern tanzt und nah bei sich gern so einen Tanzkreis haben möchte, braucht einige Voraussetzungen, die ich kurz zusammenfasse. Interessierte, Raum, Auftritte/Werbung, klarere Definition, Verein/Beitrag, Gespräch mit den Spezis, gute Leitung, Anlage/Musiken, Singen und Musizieren, Folkszene/Livemusik, Offenheit für Neue und Anfänger.

Wenn in der Stadt jemand ist oder jemand zuzieht, der Ahnung hat und gut leiten kann, dann ist das schon eine gute Voraussetzung. Da fast alle Tanzkreisleiter Laien sind, steht oft das Thema im Vordergrund. Das „Wohlfühlen“ ist für eine dauerhafte Gruppe, die sich einmal in der Woche für zwei Stunden trifft, noch wichtiger. Für viele sind das Vorführen mit Beifall und Anerkennung wichtiger, als sie am Anfang selbst denken. Wenn der Initiator einen guten „Tanzmeister“ gefunden hat, braucht man nur drei, vier wirklich Interessierte finden, um zu beginnen. Ein paar besonders geeignete Mitmachtänze und eine kleine Anlage mit Verstärker genügen am Anfang.

Wenn in einer Gemeinde, auf einem Bauernhof, in einem kleinen Saal, notfalls in einem nüchternen Schulraum ein preiswerter Platz gefunden worden ist, kann es losgehen, möglichst jede Woche, damit Schwung in den Laden kommen kann. Eineinhalb Stunden mit Tanzen und dann ½ Stunde mit Gesprächen, Tee, Gebäck, Kerzen und Liedern, eben mit Atmosphäre.

Werbung geht vielleicht über Zeitungsar-tikel mit Fotos, über kleine Plakate im Aushang, über Werbeförderung durch die Stadt und auf Webseiten. Am besten geht es, Freude, Tänze, Ausstrahlung bei Auftritten rüber zu bringen. Und wenn die Stadt ihre Gruppe bei ihren allgemeinen Festen „verwendet“, dann sollte bei Auftritten zumindest Essen und Trinken für die Teilnehmer und Fahrgeld für die Gruppenkasse rüber kommen.

Unser Tanzen ist schwer zu definieren. Alte Kulturwerte zu vertreten, ist schwer rüber zu bringen. Hinter den Tänzen steckt jedoch viel mehr an Kraft, an Magie, an Gesundheit, an Natursymbolen, an Fest und Freude. Dazu ist es gut bei Auftritten ein paar kurze, gut vorgetragene Hintergrundgeschichten vorzustellen. Das bringt Zuschauer dazu, etwas mehr in den Tänzen zu sehen. Freuderufe, Buntheit, Scherzen beim Tanzen, Mitsingen.

Unsere Tanzkreise tanzen zumeist euro-päische Folktänze. Mit Authenzität können wir weder im Tanzstil noch mit Trachten viel bieten.

Unsere Beschränkung auf europäische Tänze machen vielleicht folgende Assoziationen deutlich:

Besonders schöne Musiken Europas – Tanzmusiken, die uns kulturell nahe und verständlich sind - Mitmachtänze, bei denen das Publikum einbezogen werden kann und nicht nur Konsument zu sein braucht. Damit haben wir ein paar Pluspunkte gesammelt, ohne die Abgrenzungen klar zu machen.

Auch sind unsere Musikaufnahmen unserer Tänze oft nicht die besten. Deshalb gilt es hier besonders schöne Tanzaufnahmen zu sammeln und zu tauschen, zumal die CD-Verlage diese Tänze aus Kostengründen es zumeist aufgegeben haben, CDs zu produzieren.
Sehr gute Livemusik ist fürs Vorführen und auch fürs Tanzen Lernen wichtig, aber die können wir uns wieder meist nicht leisten.

Unsere beste Werbemöglichkeit ist, Auftritte zu machen und auf Werbeblättern mit guten Fotos und mit Wörtern wie „Wohlfühltanzen“,„Gesundheitstänze“,„„Urlaubstänze“ und durch gute Darstellung unserer Einladungen bei Presse und durch Aushang Aufmerksamkeit er-egen und so zu werben.

Gut ist, wenn wir einen Verein finden, der uns locker hilft, unsere Sache aufzubauen, keine hohen Beiträge fordert und für gute Tanz- und Aufenthaltsräume, gute Anlage und evtl. Tanzmeisterhonorar und –Ausstattung sorgen kann. Lockere Vereine, die für unsere Sache investieren, sind schwer zu finden.

Ein einfaches und preiswertes Vereinsgrün-dungskonzept für 3 !!! Mitglieder können wir auf Wunsch gern zuschicken. Die anderen nachher sind Förderer. Die Demokratie läuft bei uns über Entscheidungen der Gruppe. Wir zahlen bei uns für den Raum jeder einen Monatsbeitrag von € 10 per Dauerauftrag ans Vereinskonto, bei Festen und Gruppengeburtstagen bringt jeder etwas für die Festtafel mit. Mittlerweile zeigen 5 von uns Tänze und bringen ihre „Computersticks“ mit. Ein Referentenhonorar war und ist bei uns unnötig.

Aus diesen Beiträgen habe ich als Hauseigentümer die Musikanlage finanziert und mit meiner alten EDV aufgemotzt. Das Musikprogramm „Mediamonkey“ erleichtert uns das Auswählen und Einstellen von Tänzen wesentlich mit dem kleinen Nachteil, dass das Programm Tänze oft wiederholt. Wir haben guten Kontakt zu anderen Tanzkreisen und lernen voneinander. Bei „Tanzhäusern“ hier im Norden spielen oft gute Bands, von denen wir CDs kaufen oder selbst Aufnahmen machen. Auch laden wir uns ab und zu gute Referenten zu unseren beiden größeren Jahresfesten ein mit der Bitte, sich auf unser Tanzrepertoire und unser Tanzniveau einzustellen. Das klappt hervorragend. Einige von uns musizieren selbst in Bands oder fahren zu Folkfesten und bringen Aufnahmen mit. Ab und zu fahren auch einige von uns zu Tanzseminaren von Tanz-LAGen. Persönliche Gespräche dort über neue Werbung heute, Halten des Altersdurchschnittes in der Gruppe, Vernetzung etc. bringen oft zusätzliche Impulse, die unser Gegenmilieu zur fernseh- und modeorientierten Gesellschaft stärken können.

Da einige von uns in Folkbands musizieren und dort auftreten, können sie auch Werbezettel bei ihren Auftritten mit auslegen. Eine Klampfe und Liederblätter liegen in unserem Kerzenraum, so dass es leicht fällt, nach dem Tanzen und unseren Gesprächen zum Schluss ein, zwei Lieder anzustimmen. Das führt dazu, dass sich alle von uns mittlerweile als Folkfreunde fühlen, und einige sind sogar Folkies mit Singen, Tanzen, Musizieren und Reisen dafür als Haupthobby. In der Folkszene ist handgemachte Livemusik das A & O. Deshalb fahren wir auch gern mit mehreren ab und zu zu Folkfesten, zu Tanzhausabenden und machen auch gern Auftritte, am liebsten bei Geburtstagsfesten für jeweils eine unserer Familien.

Wenn eine Gruppe einen gewissen Standard erreicht hat, ist es schwer, Neue mit Nullkenntnis zu integrieren. Menschlich haben wir das thematisiert, so dass sich fast jeder gut um Neue kümmert, was in vielen Gruppen jedoch ein Problem zu sein scheint. Wenn Neue da sind, sprechen wir uns mit den Tanzmeistern ab, erklären die Tänze, tanzen neben den Neuen, wählen für ein paar Abende leichtere Mitmachtänze aus. Das klappt im Allgemeinen gut. Die Mehrzahl von Neuen bringt Tanzkenntnisse mit, so dass die Integration oft leicht ist. Ist ein Tanzkreis neu, ergibt sich dieses Problem nicht.

Es gibt Heimattanzkreise, die ihre Tanz-auswahl heimatlich und enger regional sehen und auf Bühnen vortragen. Es gibt die bei Städten vielfach üblichen Mischmaschveranstaltungen, die Tanzgrup-pen und Bands durcheinander wirbeln und nur auf Unterhaltung abzielen. Mitmach-möglichkeiten kommen für mich oft viel zu kurz. Ich muss fast die ganze Zeit konsumieren zwischen Heimat und Mischmasch. Ein lockeres, gemeinsames Mitmachtanzen mit europäischen Kreis-tänzen, Mixern und Gassentänzen ziehe ich vor, am liebsten zu Livemusik, gern auch mit ein, zwei passenden Heimattänzen mit gut erzählter Geschichte und einem Linedance mit guter Musik.

Es wird über „Attraktivitätsentwicklung“ unserer Tanzkreise bei uns in der Szene viel zu wenig geschrieben, aus-getauscht und weiter gegeben. Wenn wir schon in keiner „Modeströmung“ liegen, und das Fernsehen uns als „un-authentisch“ nicht mag, so sind für uns „Wohlfühlatmosphäre“,„Tanzfreude“,Aufgeschlossenheit gegenüber Völkern und menschliche Zugewandtheit besonders wichtig. Das können jedoch auch Gruppen anderer Genres bieten.

Die lockere, völkerverbindende Atmosphäre mit Geschichten und nicht zu schweren Tänzen aus weit bekannten Urlaubsländern bietet uns jedoch einen Ansatz, der eine „Grup-penidentität“ schaffen kann, die werbend ausstrahlt,die dazu beiträgt, dass Gruppenmitglieder langfristig dabei sind, auf ihre persönliche Art mitgestalten, und gern Jüngere, Neue dazu kommen.                      hedo holland

PROFOLK

Neuer PROFOLK-Vorstand: Bei der Mitgliederversammlung am 12.10.2014 in Marburg wurde ein neuer Vorstand gewählt:
Maik Wolter
1. Vorsitzender;
Dr. Ralf Gehler
2. Vorsitzender;
Frank Reglin
Beisitzer;
Gabi Stegemann
Schatzmeisterin
Jens Bötger Beisitzer
Die Geschäftsstelle wird weiterhin von Doreen Wolter betreut. Die Geschäftsstelle hat seit dem 1.11.14 eine neue Adresse: PROFOLK e.V.

Breite Str. 24, 16559 Liebenwalde; Tel: 033054 – 869 665; Fax: 033054 – 869 451 – E-Mail bleibt: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Tolle neue Veranstaltungsreihe: Geschmacksver- stärker
Liederatur im TetrapackSaarmann, Albrecht, Wonschewski & Gast
Jeden 1. Mittwoch des Mo-nats im Zebrano-Theater am Ostkreuz, Sonntagstr. 8, 10245 Berlin-Friedrichs-hain

"Du kannst in Berlin nach Hamburger Stadtplan beden-kenlos radfahrn" – glaubt der Lyriker und Komponist Holger Saarmann und führt uns auf Schleichwegen quer durch die Jahrhunderte geradewegs zum Mittelpunkt des Seins. Auf seltene Weise irritiert er mit seinen Gitarrenliedern die Hörgewohnheiten unserer Tage.

*** "Hunger ist das Ziel" – Mit diesem (Kunst)-Fanal treibt sich der Liedermacher und Musikproduzent An-dreas Albrecht über Kon-zertbühnen und durch Tonstudios. Er malträtiert das Klavier, streichelt das Schlagwerk und erfreut sich an unreinen Reimen, uner-warteten Wendungen und flüchtigen Momenten. *** "In deiner Liebe kannst du dich täuschen, in deinem Schmerz nicht" – So lautet das latent misanthropische Überlebensmotto des überzeugten Pessimisten David Wonschewski. Nihi-listische und existentialisti-sche Einsichten wechseln in seinen Texten mit tränen-reichen Einblicken in die Verworrenheit gequälter See-len. Das klingt zwar düster, ist es dafür aber auch!

Als Geschmacksverstärker laden sich die drei Liederaten allmonatlich einen anderen Gast ein, voller Neugierde, was wohl daraus gemein-schaftlich für einen einzigen Abend entstehen wird.

Alle Infos unter: http://www.holger-saarmann.de/programm_geschmacksverstaerker.htm
 
Volkstanzen – Ein TANZFONDS ERBE Projekt / v. Jutta Schütte

Die Beschreibung aus dem Programm von Kampnagel war sehr spannend: Das Projekt von K3 – Zentrum für Choreographie | Tanzplan Hamburg, das in Kooperation mit dem Tanzarchiv Leipzig e.V. und der Schaubühne Lindenfels Leipzig stattfindet, fragt nach zeitgenössischen Äquivalenten zum traditionellen Volkstanz und erforscht modellhaft Tanzvermittlung und Partizipation.

Ich war gespannt auf den Abend. Was sich dann gesehen und gehört habe, ist jedoch gemischt, wie ein bunter Blumenstrauß. Zunächst ein großes Kompliment an die Veranstalter, solch eine Sache auf die Beine zu stellen. Der Volkstanz verdient es, einmal in das Rampenlicht gehoben zu werden. Vier Tanzmeister und fast dreißig Akteure aus mehreren ostdeutschen Städten wagten einen neuen Zugang zum Thema Volkstanz. Zwei von den drei Abenden waren ausverkauft. Durch den guten Ruf von Kampnagel wurden viele Interessierte angelockt, rund 70% der Gäste am Freitag-Abend waren unter 30 Jahren und hatten noch nie etwas mit Volkstanz zu tun gehabt. Der Abend begann mit einer Vorführung, eher wie ein Ballett. Danach gab es dann immer wieder einen Wechsel zwischen Vorführung und offener Tanzfläche. Die dreißig Tanz-Experten und die Gäste, die sich mit Volkstanz aus kannten, tanzten natürlich mit, wenn die Bühne für das Publikum geöffnet war und Volkstänze angeboten wurden. Dadurch ließen sich auch die 70% der Gäste von der Stimmung anstecken, die in einem anderen Rahmen vielleicht Berührungsängste hätten haben können. Auch sie machten spontan mit und waren schwer begeistert. Für mich war es erstaunlich wie das Tanzen super funktionierte, auch ganz ohne Ansage (bis auf eine, sehr gelungene Tanzanleitung bei dem ersten gemeinsamen Tanz). Wenn der Tanz nur lang genug läuft, gibt es die Möglichkeit ab zugucken und mitzumachen, solange es nur einige gibt, die die Schritte kennen. Viele Menschen machten spontan mit, ahnten nicht, dass sie im nächsten Moment von ihrem Partner getrennt werden würden um dann mit anderen zu tanzen, ahnten auch nicht, dass dieses Tanzen nicht so leicht war wie es schien, denn viele Tänzer kannten ja die Schrittfolgen. Viele Neulinge erkannten das nicht und dachten, für sie wäre das sicher genauso leicht, was es deswegen dann auch war. Das war genial. Die Mischung half, dass auch bei dem großen Anteil an Anfängern der Tanz gelang und viel Freude machte. Die Musik war sehr mitreißend. Sie wechselte schmerzlos durch alle Länder und alle Stile. Die gar zu laute, dröhnende Hüpfmusik vertrieb jedoch einen Teil der Zuschauer, dauerte glücklicherweise nicht so lang. Es gab ein definiertes Ende. Da war dann einfach Schluss. Schade, dass es in der Ausstellung nur historische Plakate und Berichte gab und kaum vernünftige Hinweise auf den Volkstanz heute, wo doch so viele Gäste gerne jetzt hätten weitermachen wollen und Hinweise vielleicht gern aufgenommen hätten. Und wo es doch in Hamburg und Umgebung so viele Volkstanzkreise gibt, die gerne diese begeisterten jungen Leute aufgenommen hätten. Das war eine verpasste Chance. Wie konnte das passieren? Eine Darstellung von heutigen Tanzkreisen und deren Aktivitäten hätten unbedingt stattfinden müssen! Was haben die Veranstalter sich dabei gedacht, die aktuellen Aktivitäten nicht darzustellen? Schade auch, dass die Gelder, die doch dem Volkstanz hätten zufließen sollen, zwar für einen schönen Abend verwendet wurden, an dem auch Volkstänze getanzt wurden, (wenn auch nur zu 20% der Zeit), der jedoch nicht wirklich unter der Überschrift Volkstanz stand. Es ging eher darum, mit Volkstanz-Elementen zu spielen und diese in neue Tänze einfliessen zu lassen, damit zu experimentieren. Dort verloren sie jedoch ihren speziellen Charakter. Die zentrale Frage ist ja: was ist so besonders am Volkstanz.

1. Das gemeinsame Tanzen ist es doch vor allem, was Freude macht, sich im Gleichklang zu schöner Musik zu bewegen, Menschen zu begegnen, die Musik mit Bewegung umzusetzen. Das Gemeinsame zwischen Unbekannten kam an diesem Abend tatsächlich nur in den wenigen Volkstänzen zum Zuge, die vor allem am Anfang des Abends getanzt wurden. Dort kam es sehr gut an. Viele wollten mehr davon. Bei vielen Musiken, die gespielt wurden, waren jedoch die Tänze unbekannt und es wurde abgehottet, Disko-Stil, oder improviert. Hier ein Grüppchen, dort ein anderes, was versuchte, Musik und Bewegung in Einklang zu bringen. Die experimentellen Vorführungen waren sicher kein Volkstanz. Andererseits wollten Veranstalter sicher auch gern herausfinden, wie die Gäste reagieren, wenn ihnen Musik angeboten wird, die nicht so unmittelbar als Volkstanz getanzt werden kann.

2. Rhythmus und mitreißende Musik. Ja. Das war da. Die Anlage war nicht natürlich sehr gut. Die Aufnahmen waren z.T. mit großem Orchester und sehr schön.

3. Begegnung mit Fremden – dass sich Menschen begegnen und miteinander in Kontakt kommen, ja, das ist auch geschehen an diesem Abend, weil Volkstänze getanzt wurden. Sonst wäre das wohl eher nicht so der Fall gewesen. Wie hat der Abend die Volkstanz-Szene voran gebracht: Viele Volkstänzer waren z.T. etwas frustriert, da die modernen Tänze so gar nichts mit Volkstanz zu tun hatten und der Volkstanz nicht im Mittelpunkt stand. Es war wie eine Weinprobe, an der guter Wein geboten wurde, dann aber wieder Apfelsaft, Trinkjogurt und Tee. Eben eine wilde Mischung. So ganz konnte man sich da nicht auf den Wein konzentrieren. Es drängt sich ein wenig das Gefühl auf, dass der Volkstanz missbraucht wurde, um ein Tanzprojekt zu fördern, das sich dann selbst in einem guten Licht zeigen konnte, aber seine Wurzeln ein wenig vernachlässigt hatte. Trotzdem – eines hat sich gezeigt. Die Menschen, die noch nie Volkstanz getanzt haben, waren begeistert und wollten sofort mindestens einmal im Monat so tanzen gehen. Also – wie geht es jetzt weiter!??!