Rezensionen

Geschrieben von hedo holland am .

Rezensionen

Die Fahrt als Verwandlung - Aufbrüche in das ganz Andere

Nr. 22 der Schriftenreihe des Mindener Kreises im Spurbuchverlag.

Herausgeber: Fritz Schmidt und Peter Stibane, Layout: Fritz Schmidt (fouché), www.spurbuch.de

Das Buch mit 104 Seiten bringt das Eingemachte. Einige hervorgehobene Fahrtenberichte und -Erzählungen, Fotos, Grafiken, Gedichte und Lieder. Eine Sammlung wiederentdeckter Schätze, Sternstunden der Erzähler aus der Weite Europas und der Zauberkiste der Natur.

Fahrten selbständig und frei, voller Erlebnisse und Erfahrungen, das Eingemachte, lebenslang Prägende wohl aller Menschen der Jugendbewegung.

Nach vielen Heften über Nazizeit, Wandlung und Neufindung, Persönlichkeiten oft aus historischer Sicht hat die Redaktionsmannschaft des Mindener Kreises mit diesem Heft 22 den Kern getroffen. Die starken Aussagen verlangen danach, weitere Fahrtenhefte herauszubringen, als Wegweiser für Menschen, die unterwegs sind.  hedo. (wandervogel e.v.) 

Nachrufe für: Bömmes, Lisa Fuchs, Helmut Alphei

Das große Lebens-Odem – Ascona 1988

Die Ludwig Derleth-Gedenkfeier und eine bündische Osterfahrt.

Nordstern-Druck – Privatdruck zum 89 Geburtstag von Wolf Hempel

Wenn gute Zufälle zusammen kommen, gibt es Aha-Erlebnisse, die lebensprägend sein können. Hier sollte eine Künstler-Gedenkfeier gestaltet werden, ein in Künstlerkreis berühmter Ort hatte ein schlossartiges Haus, das zur Renovierung anstand, und die Jungenschaftsgruppe Winsen an der Luhe voller Elan und chorgeübt wurde auf Umwegen durch Beziehungen eingeladen.  Diese so unterschiedlichen Punkte kamen zusammen, zündeten und prägten. Ein paar Tage, die für mehrere Menschen entscheidend und sinngebend wurden. Dichtung, Musik, alte, schöne Bauweise und herrliche Umgebung schufen den Rahmen für Begeisterung und Gemeinschaftsgefühl für Jungen und Mädchen.

Ludwig Derleth war vor dem 1. Weltkrieg gegen den Krieg und wollte ein neues Reich. Er fühlte sich damit allein mit einem seiner Kernsätze: „Besser ist es, nicht geboren zu werden, als untätig zu sein“ und „Ich bin gekommen, Feuerbrände zu werfen, wie sehr begeht ich, dass es schon zündete“. Das ist Jugendbewegung pur. Und selbst Naturschutz klingt in seinen Schriften schon an. Derleths Höhengedanken werden von Thomas Mann und Hugo von Hoffmannsthal gewürdigt.

Dieser zündende Funke zwischen Zufall, Fahrt und Feuer, Erlebnis und Begegnung mit Intensität ist es, der Einzelne und Gruppen der Jugendbewegung in Brand setzt. Jungen und manchmal auch älteren Menschen wird klar und bewusst, dass sie für Arbeiten, für Ziele, für Gemeinschaft brennen und über sich hinauswachsen können. Wenn auch  Gesellungen kurzlebig vergehen, so bleibt die Wachheit für das starke, feuerbeflügelte Engagement mit solidarischem Denken. Das ist Jugendbewegung. Nicht festgefahren, sondern sich stets wieder neu erfindend. Bestätigt durch die Meißnerformel führt es zu Selbständigkeit, Durchsetzungsfähigkeit und verantwortliches Handeln, für das es sich zu leben lohnt und manchmal auch Avantgarde zu sein, eine neue Sprache zu sprechen oder zu dichten.

Dieses Buch trägt dazu bei, das freie Denken dem Leser näher zu bringen.  hedo