Wohlfühlmilieus (aus dem wv87)

Geschrieben von hedo holland am .

Wohlfühlmilieus

Kannst Du ein Schattenspringer sein? Zu deinem Wohl?



Die Wohlfühlmilieus in dieser beknackten Gesellschaft sind für Jung und Alt rar geworden. Da, wo es nicht in erster Linie um Mode, Konsum, Verdienen, Fernsehen, Parteipolitik, Angeben, Befehle, Standesdünkel, enges Denken, Alkohol, Vorurteile und Konsum geht. Da, wo Freundschaft, Mit-menschlichkeit, gemeinsames Tun, Feiern, Singen, Musizieren, Tanzen, Gespräche für mich und meine Kinder von Wert sind. Für gute Traditionen, für freies Denken und auf der Höhe der Zeit.



Ich habe lange gesucht und gefunden. Ich denke so, wie ich es oben beschrieben habe. Keine Gruppierung, kein zusammengewürfelter Bekanntenkreis konnte mir das geben mit ge-genseitigen Anregungen, mit Chancen, mich einzubringen und mitzumachen.



Im Wandervogel fand ich nicht nur die Möglichkeit, sondern die volle Übereinstimmung. Es machte eben nicht nur Spaß. (Ein Wort, das so in ist, aber mir nicht ganz passt.) Es brachte mir Freude, Freunde, Wohlfühlen, Bestätigung und, Lernen, dass ich gern zu dem Bund gehören möchte.



Bei ein paar tollen Festen habe ich mit gemacht . Ich hatte einige sehr schöne Erlebnisse am Feuer. Besonders freute mich, als plötzlich alle mein Lieblingslied kannten, und wir es sangen. Ich lernte mehrere wunderschöne Lieder kennen, die für mich ganz neu waren. Ich tanze zwar nicht besonders gern, aber meine Frau schleppte mich mit hoch zum Tanzsaal.



Und ich erfuhr, dass das gar nicht so schwer ist, in der Kette zu tanzen, meist nicht paarweise, so dass es mir viel mehr Freude brachte. Die Festtafel mit einer Blütenpracht war ein Labsal. Und die Menschen zusammen schufen eine Atmosphäre, eben dieses Wohlfühlmilieu, wie ich es noch nicht kannte, mir aber wünschte. Schade, dass meine Kinder noch nicht mit wollten.



Sie sind zwar nicht so sehr fremdbestimmt, wie viele junge Menschen heute und auch Natur gewohnt. Wenn da mehr Jugendliche wären, könnte ich sie besser überzeugen. Ich selbst fühle mich jetzt als Wandervogel. Das hat mir neben Aha-Erlebnissen einen Schub gegeben.



Für mich habe ich begriffen, dass ich etwas dafür tun muss, damit es anderen so geht wie mir. Viele Menschen sind heute übervorsichtig und misstrauisch, vielleicht sogar etwas blockiert. Sie müssen es packen, über ihren Schatten zu springen. So ein Bund ist ja mehr, als nur allein alternativ zur Gesellschaft zu sein. Und da ja jeder bei Festen, Fahrten und Treffen dabei sein kann, der Freude daran hat, braucht ja auch niemand Scham zu verspüren, dass er nicht genügen würde. Vielleicht gehört der Wunsch dazu, etwas mehr selbst aktiv singen, tanzen, musizieren, spielen, zuhören, wandern zu wollen, als es uns die Konsumgesellschaft vormacht, eben nur zu glotzen, zu rasten, zu rosten und Geld auszugeben. Das alte Sprichwort mit „Nicht rasten und rosten“ hat etwas für sich.



Schade ist, dass es den freien Wandervogel nicht wieder überall bundesweit gibt. Ich habe Glück, da ich nicht weit von Lüttenmark entfernt wohne und in einer ¾ Stunde da sein kann, und es dort mehrere Feste und Treffen im Jahr gibt. Für andere in Bayern, in Sachsen, Thü-ringen, im Ausland ist es weiter.



Deshalb wäre es natürlich toll, wenn durch die Zeitschrift „wandervogel“ dieses spezielle freu-debringende und Denken fördernde „Wohl fühlmilieu“ im Wandervogel sich verbreitern könnte. Vielleicht gibt es einige Leser, die das hier weiter sagen und anfangen, auch so ein Milieu aufzubauen, zum freien Wandervogel gehören möchte und sich mit ihm vernetzt. oka



Allein unter Wölfen

Bei uns an der Küste tanzt der Bär, säuft der Bulle und hoppelt der Hase, rülpst das Reh. Sogar die mit Brille lesen die Hamburger Bildzeitung und hier in Posemuckel geht man nur baden und flöten. Nicht mal die Stadtmusikanten kommen hierher spielen auf zum Tanz. Ich bin hier fast allein unter Wölfen. Und für Wandervögel ist das nicht die beste Gesellschaft. Und wenn Du Dich nicht traust, das zu sagen, dann sage ich Dir, die küstennahen grauen Wölfe sind eine Art für sich, die wie Wilde leben, aber vieles verteufeln.

Drum lauf ich allein durch die Gassen und am Strom längs mit meiner Klampfe. Hock mich auf einen Poller und sing unsere schönen Lieder wie „Saßen vier am Hafen“. Wenn wir hier wenigstens vier Wandervögel wären, das würde ein Gesang sein, dass zumindest die Nichtbildzeiter zusammen laufen würden, und bald würden einige mitsingen.

So aber ist bin ich in Wandervogeleinsamkeit. Ein Wunder, dass ich nicht in Melancholie falle. Doch Atmosphäre schaffen allein, fürs gemeinsame Singen, für Menschen und Natur, wie ich das möchte, wäre ein Wunder. Wo finde ich denn andere? Hier in Posemuckel bisher nicht. Männer und Frauen, in denen das Fernweh kocht, das Fahrtenfeuer lodert, die Lieder jubeln und denen die Herzen brennen?Vielleicht sogar ohne Kümmel und Aquavit? Es gibt hier so viel Kultur. Du kennst sie nur nicht, weil Du zu Hause hockst.

Manchmal denke ich bin ein Dino, so ein Urvogel, ein feuerspeiender Drache. Aber das würden die Schietbüdel ja auch nur beglotzen. Dabei bin ich eigentlich ganz gewöhnlich, nur eben für vieles interessiert, gern unterwegs mit der Klampfe und nicht gern allein.

Was soll man machen, wenn man als Vogel allein unter Wölfen und Maulwürfen ist? Vielleicht bin ich doch nur ein einsamer Überflieger, dem Verstecken oder Zerfleischen nicht genügen, der gern eine Schwalbe wäre, im Sommer hier und im Winter im Süden.

Ich habe schon ab und zu eine Annonce aufgesetzt, hab‘ im Garten zum Lagerfeuer eingeladen, habe Plakate in Schulen und Hochschule aufgehängt. Wer macht mir so ein Plakat, das zieht? Gleich ein „Ortsring“ braucht es ja nicht zu sein. Nur ein paar wandervogelfrohe Herzenssänger.

Wer hat da mehr Ahnung als ich? Bei uns im Bund sind wir ja erst ganz am Anfang, auch wenn unser Bund ein toller Bund ist, bisher eher für Alt als für Jung. Na ja, vielleicht hilft mein Klageruf irgendwie. Oder muss ich erst zum Geier oder gar zum Hamster werden?                   jonni

Ein gutes Gespräch

Ein gutes Gespräch ist wie ein gutes Glas Wein, auf das wir uns lange vorher freuen können. So stand es in einem Heft von uns vor 60 Jahren. Wenn die Atmosphäre stimmt, wenn wir beieinander sitzen. Gerade die richtige Zahl und die richtigen Wandervögel. Dann fühlen wir uns wohl. Und wenn das Gespräch ein Thema hat, mit dem wir etwas anfangen können, nach dem wir mit praktischem Tun anfangen können, ist es besser. Wenn wir ein Thema haben, mit dem wir ein Ziel formulieren können, das für uns, unsere Freunde, unseren Bund wertvoll ist, dann ist die Vorfreude ein gutes Zeichen, die Wirkung des Gesprächs vielleicht noch wichtiger.

Gutes Zuhören, von allen, gehört dazu. Wahrscheinlich eine gute Vorbereitung. Eine gute, anregende Atmosphäre, und Menschen, die bereit sind sich einzubringen, sich zu engagieren. Zeitdruck ist nicht angebracht. Gutes Zuhören haben die meisten Menschen nicht gelernt. Drum haben wir uns einige Regeln zu Herzen genommen. Das Blitzlicht mit handheben, das auf Störungen und Abweichungen vom Thema hinweist. Das Aufschreiben, des Gesprächsverlaufs , der Inhalte, Widersprüche und Kompromisse. Das Protokoll, das Teilnehmer, Zeit, Ergebnisse und Vorschläge notiert und Schritte in der Zukunft vermerkt. Wer könnte eingeladen werden? Wer hat mehr Kompetenzen als wir? Ist das mit Kosten verbunden? Was ist in welchem Zeitraum zu bewerkstelligen? Jeder wird aufmerksam gemacht, dass wir voneinander lernen.

Das zusammen ohne Zeitdruck zu Wege zu bringen, selbst in kleinerem Kreis, ist eine Kunst, die wir für uns und unseren Bund gern erlernen müssen. Das Eingemachte aus der Vergangenheit unseres Bundes besitzen wir, auch wenn viele es noch nicht verinnerlicht haben. Das Weiterformulieren unserer Zeile und unseres aktiven Tuns in Verbindung mit dem Erfahrenden, Erlebten und Weitergegebenen geschieht bisher zu wenig bei uns und anderen Wandervogelbünden. Auch zur Zusammenarbeit mit anderen uns nahestehenden Menschen und Gruppen. Also packen wir es an. Gespräche für die Zukunft mit dem Eingemachten. Darauf können sich alle Interessierten vorbereiten, besonders die aus unserer Kerngruppe.h



Unser Bund

Unsere vier Treffen im Jahr sind freudebringend, wohltuend, Freundschaft bringend. Und das terminliche Gerüst unseres Bundes mit Musizieren, Singen, neuen Liedern und vielem mehr. Besonders mit vielen Gesprächen, die Einzelne von uns und auch unseren Bund weiter bringen. Das Engagement ist bei den meisten bisher auf diese Treffen ausgerichtet, nur bei wenigen auf mehr. Es gilt auch, unseren Bund, unser Wappen, unsere Atmosphäre, unser Wollen und unsere Lieder regional bei jedem zu Hause zu verankern. Gruppen, Kreise, oder wie es im Wandervogel traditionell heißt Ortsringe zu bilden und weiter auszubauen, das findet bisher fast nicht statt. Ebenso fehlt in unserem Bund der Aufbau von Kinder- und Jugendgruppen.

An vielen Orten wohnen Einzelne, oft sogar Pädagogen oder sozial und politisch Engagierte, die klug über Themen reden können, aber an ihrem Ort wenig oder nichts für unseren Bund tun. Das ist ein Mangel. Richtig wäre, dass jeder von uns zumindest eine Aufgabe übernehmen sollte, sei es technisch im Internet an unserer Webseite, auf Youtube mit Texten, Fotos, Filmen, Liedern oder praktisch bei Fahrtenvorbereitungen und Durchführungen oder vor Ort mit der Bildung von Musikkreisen oder der Gründung einer Jugend- oder Älterengruppe bzw. eines Ortsringes, alles mit dem Gedanken des Vernetzens unseres gemeinsamen Lebens-Bundes.

Wer sich mit unserem wander- vogel e.v., seiner Geschichte, seinen Hintergründen beschäftigt, wird erkennen, dass ein Wollen dahinter steckt. Die zwei Beine des Bundes heißen nicht umsonst Realität und Romantik. Ein Kind, das früh ein Instrument spielen lernt, wird quasi nicht nur in den Wandervogel hinein geboren, sondern hat von Jung an Erholung und Seelenstärkung immer die Musik und das Wandern neben Schule, Beruf und Partnerschaft. Wenn dann ein Ortsring da ist, wird es auch von Jung auf an lernen, sich in einer Wahlgruppe wohl zu fühlen, anders als in Zwangsgruppen von Schule und Beruf. Da lässt sich das Leben erst gut in eigener Verantwortung selbst gestalten und das in Gemeinschaft, in einem freien, ungegängelten Milieu, wie es bei uns im Wandervogel unsere gute Tradition ist. Wer später und schon jugendlich oder älter zu uns kommt, nicht in unseren Wandervogelbund hinein geboren wurde, hat es meist schwieriger sich dauerhaft voll einzubringen, es sei denn er kommt aus einem ähnlichen Milieu. Und viele Menschen suchen so ein Milieu, wie wir es haben mit viel Freude, Mitmenschlichkeit, Musischem, Naturnähe, Freundschaft, Weltweitheit und gute Gesprächen. Wer dann in unserem Bund Fuß fasst, eine kontinuierliche, kleine Aufgabe übernimmt und aktiv wird, der wird in unserem zu Massenmedien nonkonformem Milieu aufblühen, Freude und Gesundheit tanken können und mit Wertschätzung unseren Goldgreifen tragen.

Einmal im Jahr sollten wir uns auf dem Rabenhof oder dem Ludwigstein im Oktober oder November treffen, um über diese und verwandte Fragen der Lebensgestaltung zu sprechen und dabei die Möglichkeiten unseres Bundes weiter entwickeln. Wer daran interessiert ist oder Interessierte kennt, der möge sich melden.

wandervogel e. v.,   www.wandervogel.info, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!, 038842-21888





Willkommen+Mach mit !

Wir haben mehrere Jahreszeitentreffen zum Singen, zum Feiern mit Musik, Lied und Tanz, und unsere Fahrten zum Sprechen, zum Wandern und Singen.

Viele in unserer Gesellschaft interessieren sich für unseren wandervogel. Es gibt Gruppen, Familien und Einzelne, die so einen freundschaftlichen und freiheitlichen Bund suchen, in dem Freude, Zusammenhalt, Miteinander, Musisches, Querdenken und gute Atmosphäre Platz haben.

Wir haben das Glück, als Zentrum den Rabenhof zu haben, auf dem ein Teil unserer Treffen läuft, der eine gute Infrastruktur hat und nicht weit von Hamburg entfernt ist. Und nach Berlin sind es auch nur 200 Kilometer.

Für musische Menschen und für Wandervögel, die bei uns mitmachen möchten, vielleicht auch mitwirken möchten, haben wir Mails und Internet mit Details und unsere Zeitschrift „wandervogel“ hier . Wenn Du auf Interessierten triffst, die so etwas suchen, gibt uns gern Anschriften. (Mail + Post) Wir informieren dann. Danke!

Wer möchte, kann mitmachen, unsere Zeitschrift abonnieren, Förderer des wandervogel e.v. werden, diese Zeitschrift an Interessierte, an Freunde, an Bündische weitergeben.

Wer richtig dabei sein will, sollte an mehreren Treffen und Fahrten im Jahr teilnehmen und sich engagieren. Wir versprechen nicht zu viel, wenn wir sagen, dass Freude und Freundschaft, gute Atmosphäre und Miteinander unsere Treffen bestimmen. Nicht umsonst sind viele seit Jahren dabei und kommen von Weither gefahren.                                                                                                                                 monija und hedo