Folkchancen + Zukunft Regionale Folkszenen

Geschrieben von hedo holland am .

Folkchancen

 

und Zukunft   

 

Stärkung regionaler

 

Folkszenen

 

Entwickelt sich künftig

 

stärkende Gemeinschaftsmusik?

 

Das wenige gemeinsame Singen in Deutschland ist eine Kombination von Schlagermoderne, süßlich-veralteten biedermeierlichen Volksliedern,  schrumpfender Chortradition und altem Nazimief, wenig sich durchsetzenden neuen, spannenden Volksliedern und einer Musikindustrie, die die bayrische oder kölsche Bierseligkeit fördert. Schulen und Familien haben zurzeit in den meisten Regionen ihre prägende „Liederkraft“ verloren. Die schönen, neuen jugendbewegten Lieder erlangen selten und nur durch wenige Bands und Liedermacher an Breite. Neue Volkstänze schaffen das bisher gar nicht. Und von Musiken gibt es im Morgenfernsehen ein paar Harmonika- und Zitherklänge zu Alpenlandschaften.

Die Folkszene, die für die Belebung neuer gemeinsamer  prägender Melodien zuständig wäre, überlässt das Revier zumeist den Schlagersängern, Rockern, Jazzern. Nur regional bilden sich an einigen Ecken kleine sich ausdehnende Zentren, die gegen Musikantenstadl, Starrummel und Geigenshows erst eine größere Chance hätten, wenn sie weiter wachsen würden und sich vernetzten. Fast sieht es so aus, als ob die Iren- und Schottenlieder sowie die Folkbälle mit französischen Tänzen hier Vorteile hätten. Die Produzenten von Folkszene stehen vor einem Dilemma und sehen sich einer älter werdenden Generation in den Regionen gegenüber, die „das Verbindende“ hoch hielten, und eine neue Dynamik von neuen Käufern fehlt ihnen. Die nun ältere Generation, ist neuem gegenüber wenig aufgeschlossen. Stilrichtungen wie Rap, Hiphop etc.  kaum aufgeschlossen und hängt an alten Romantizismen. Fetzige Musik, neue Tendenzen und Gesellungsformen gibt es erst vereinzelt in Regionen. Gruppen geben jedoch oft intensiv ihren alten Vorlieben hin, tanzen, singen, musizieren mit Freude von Herzen. Die Glut ist da, aus der sich neues Feuer entfachen ließe wie in Frankreich, keltischen Ländern, Südamerika und teils auch schon in Ost- und Südosteuropa.  

Künstler machen sich die oft noch kleinen regionalen Initiativen zu Nutze und tingeln von Mucke zu Mucke. Da die aber meist nur an Wochenenden sind, bleiben die Einnahmen so gering, dass nur wenige gut davon leben können, sondern „Halbprofis“ oder Hobbymusikanten bleiben müssen. Einige schaffen sich mehrere Standbeine und können dann als „Dreibeiner“ oder „Vierbeiner“ eine Familie durchbringen.  Die Standbeine heißen dann Eigenverlag für sich und Kollegen,  Folkmanagement für andere Künstler, Liederbücher, Radiomoderation, halbtägige Arbeit, Verbindung mit Aufführungen, Theater, Musikschulen, meditativ-esoterischen Randrichtungen… Früher waren viele Lehrer als Folkmultiplikatoren unterwegs, der Beruf wurde jedoch für so etwas zu schwer und wird auch von Schulen zu wenig angenommen.

Pastoren, Kirchen und Gasthäuser einer Region, die sich vernetzen und ihre Hochzeiten und Feste so legen, dass Bands eine Woche anreisen können, nehmen diese innovative Chance für ihre Gemeinden zu wenig wahr und sind als Kulturmanager bisher auch kaum ausgebildet. Kleinere Regionalstädte haben hier im Norden erst selten Kulturmanager. Sie und Volkshochschulen schaffen eine Woche währenden „Folkzirkus“ von Stadt zu Stadt noch nicht. Bündische haben das bisher auch nicht als Ziel erkannt. Es bleiben Weihnachtskonzerte in Kirchen und Sommerwochen in Touristenorten. Das langt bisher nicht, um Profi zu werden.  Wenn eine Reihe von Pastoren „Hochzeitstouren“ entwickeln würden, wäre es ein denkbarer Ansatz. Ähnlich ist es, wenn aus Bands „Folkclubs“ entstehen, die „kulturdynamische“ Interessierte gewinnen, die dann zusammen „Regionalkultur“ stärken durch CDs, Liederbücher, Gründung weiterer Feste und weitere Folkclubs in Nachbarstädten und –Gemeinden. Das findet zurzeit statt. „Folkies“, „Iries“ und Mittelalterfans („Dinos“)  schließen sich zusammen. Und wenn das erst einmal stattgefunden hat, dann lassen sich auch Rocker, Liedermacher, Jazzer und Mundartfans gewinnen.

Dann entstehen “Regionalhomepages“, wie es sie versteckt schon an einigen Ecken gibt, die regionale Filme und Musiken der Regionen einbinden. Ich behaupte, dass sich durch Zusammenschluss solcher Homepages in den nächsten zehn Jahren Schritt um Schritt einige „Folkradios“ oder gar „Folxradios“ entwickeln werden, die eine neue Art von gemeinsam – verbindender  Protestkultur nahe bringen werden. Sachen, die das total überforderte und verteuerte Fernsehen ergänzen wird. Vielleicht wird es sogar Kooperationen mit Hör- und Bildfunk geben. Die Presse, besonders die Regionalpresse wird sich dann anschließen und vielleicht wieder das „Genehme“ vom „Ungenehmen“ zu trennen versuchen. Reibereien wird es weiterhin geben, eine interessante Aufgabe für Kulturmanager.

Die Volkstanzszene in Deutschland gerät – zumindest hier im Norden – in die Schwierigkeit. Junge, dynamische Tanzkreise gibt es kaum,  Mitarbeit in Folkclubs kaum,  Einbeziehung von kulturinteressierten Freunden und „Laienkulturmanagern“ kaum. Die Zentrierung der Gruppen auf einen „Tanzmeister“ hat ihre Nachteile.  Das Abgeben von Aufgaben, von Tanzunterricht, von Einbeziehung anderer, die Neugründung weiterer Tanzkreise und Musikgruppen kommt hier viel zu kurz. Selbst Livemusik wird von vielen Tanzkreisen bisher oft nicht besonders geschätzt. Die meisten Tanzkreise sind  Folklore konsumierenden „Seniorengruppen“ geworden, die sich oft mit viel  Tanzspaß einmal in der Woche zu gesunder Gymnastik in einer guten Gemeinschaft mit schöner Musik zwei Stunden treffen und dafür oft auch einiges tun, um die Atmosphäre zu verschönen. Nichts dagegen. Das hat für die Teilnehmer einen recht hohen Tageswert, hat jedoch meist geringe Breiten- und Zukunftswirkung und vernachlässigt damit oft das Gespräch, das Erkennen der Hintergründe einzelner Tänze und die Nutzung der wichtigsten Kräfte der Folklore.

Noch mehr als andere Musikrichtungen kann Folk jedoch eine Alternative sein gegen krankmachende Tendenzen unserer Gesellschaft, gegen die Vereinsamung und gegen zwanghafte Alltagsgassengestaltung, die sich isoliert auf Familien, Paare, alten Gewohnheiten beschränkt und  sich meist kraftlos, ideenlos und unkreativ gegenüber neuen Gemeinschaftsbildungen verhält.  

Rudolf-Steiner-Schulen scheinen das seit Menschengedenken  für die Zukunft wirkende „Lebenswerte“ der „Folklore-Bedeutsamkeit“ besonders gut zu verstehen und umzusetzen.  Musikgruppen und Folkclubs erkennen das auch in zunehmendem Maße und machen sich dafür solidarisch stark. In Tanzkreisen werden junge Menschen nur in Ausnahmefällen einbezogen. Der in unserer Gesellschaft verbreitete  von Massenmedien und den meisten Schulen heute  unterstützte  Trend der Trennung von Alt und Jung ist nicht kulturfördernd und wirkt sich hinderlich aus, altersübergreifende kulturelle Mitmachgesellungsformen entstehen zu lassen.

Dort wo generationsübergreifende Treffen, Feste, Gruppe entstehen und die Folkszene wächst und sich verbindet,  kann sie als Beispiel gelten. Das ist zu beobachten. Davon ist zu lernen. Mitmachfolkclubs in Zusammenarbeit mit Musikschulen und Folkfesten bei gleichzeitiger Integration von „Randinteressierten“ haben gute Entwicklungsmöglichkeiten für die Zukunft. Sie können in Regionen Bedeutsamkeit erlangen.  Im Folkmagazin werden wir solche Basisansätze besonders heraus gestellt und vernetzt. Wir nennen das „Folkfamilie“. Engagierte dieser Ansätze fördern wir besonders und bieten besonders ihnen Zusammenarbeit an. Wer an Kooperation interessiert ist, melde sich bei uns. Schon durch Telefonate, Besuche, Gespräche und Brainstorming entstehen Impulse und lässt sich stärkende Vernetzung knüpfen.

 hedo holland, Lüttenmark bei Hamburg, 038842-21888