Wandervogelbünde nach 1945 + Gerhard Neudorf

Geschrieben von hedo holland am .

FOLKMAGAZIN.DE Seite 23
773 Logbuch von Fahrten + Festen
Wandervogelbünde nach 1945 + Gerhard Neudorf
G e r h a r d N e u d o r f
z u m G e d e n ke n
Gerhard Neudorf ist
gestorben. Ihm zum Gedenken
bringen wir die
folgenden Artikel.
Gerhard war ein Mensch,
der lebenslang der für den
Wandervogel brannte, und
der für den daraus resultierenden
Fortschritt in Gemeinschaft
hart gearbeitet
und gestritten hat.
Nicht jeder konnte seine
kategorischen Strenge ertragen.
Aber geachtet und
anerkannt haben ihn viele.
Mit all seiner Strahlkraft und
Bedingungslosigkeit war er
ein großartiger Mensch. Er
war Vordenker und Bindeglied,
Impulsgeber und der
Eckhart des Wandervogels.
Gerhard, auf Griechenlandfahrt,
im Initiativkreis der Kulturinitiative
und im Wandervogel-
Älterenbund haben
wir manches gemeinsam
erdacht. Du nanntest mich
öfter den Goldmund und
Dich den Narziss.
Wir rasselten auch aneinander.
Meist glätteten wir die
Wogen bald, da wir einander
schätzten. Öfter nutztest
Du meine meine Stärke,
Impulse geben zu können.
Als ich mich aus der KI zurückzog,
um den Rabenhof
in Lüttenmark zu renovieren
und auch mit durch Dich
inspiriert, den freiheitlichen
wandervogel e. v. wieder aufzubauen,
besuchtest Du mich
mit Horand, Deinem Sohn.
Gerhard, ich denke oft an
Dich. Du hast mir viel gegeben.
Du warst eine der
großen Wandervogelpersönlichkeiten
nach 1945.
In vielem, was es heute an
bündischer Entwicklung gibt,
ist Dein Wirken zu spüren.
Dafür danke ich Dir. Dein hedo
Ich sandte zur Gedächtnisfeier
und zur Beerdigung
Gerhards meinen Liedtext
„Im Fiedelers Grün", der
dort von Iris vorgetragen
wurde. h
Wa n d e rvoge l a b 1 9 4 5
Nach 1945 konstituierten sich
die Wandervogelbünde neu.
Einerseits am Rhein und im Bergischen
die vitalen, lauten Männerbünde
um die Oelbermanns
mit den Nerothern und ihren
Abspaltungen, der Zugvogel um
Gero, der Wandervogel Bund
für Jugendfahrten um Hannes,
der Weinbacher Wandervogel
um Fabian und der autonome
wandervogel mit wirkungsvollem,
selbstgeschaffenem Liedgut, oft
kunstvoll vorgetragen.
Im Norden, Süden und in der Mitte
Deutschlands entstanden auch
die gemischten Wandervogelbünde
nach 1945 neu, besonders
der Wandervogel DB, der durch
Drogenverweigerung, besondere
Schriften, Tanzen und große Singeleistungen
starke Wirkungskraft
entfaltete, besonders gestärkt
durch Kraft und Fleiß von Gerhard
Neudorf. Außerdem gab es
viele kleine Wandervogelgruppen
und neue Bünde. Die deutsche
reformjugend, die Fahrenden
Gesellen mit dem Mädelwanderbund,
die Gefährtenschaft under
der wandervogel e.v. sind in diesem
Zusammenhang zu nennen.
Großartige Singeleistungen gab
es auch hier. Jüngster Spross der
Wandervogelbünde ist der von
Gerhard initiierte Wandervogelverbund.
Diese zwei Hauptrichtungen
bestimmen bis heute die Wandervogelszene
in Deutschland,
die Männerbünde und die Gemischten.
Die beiden Richtungen
haben untereinander
wenig Kontakt und grenzen sich
voneinander ab. Untereinander
wirken sie teils zusammen.
Kontakte zu den Wandervogelbünden
in Österreich und Japan
bestehen sporadisch oder nicht.
Verbunden sind die Bünde
durch das gemeinsame Bekenntnis
zur Meißnerformel in
abgeschwächter Form: Alkohol
und Nikotin werden teils nicht
abgelehnt, der Begriff "freideutsche
Jugend" wird nicht mehr
verwendet, das geschlossene
Eintreten für die Meißnerformel
wird unterschiedlich bekundet.
Es bleibt der freiheitliche
Rumpfsatz: "Wir wollen das
Leben in eignerer Verantwortung,
mit innerer Wahrhaftigkeit,
vor eigenem Gewissen selbst
gestalten." "Und in Gemeinschaft"
könnte für hinzuzufügen.
Erwachsene spielen heute
in fast allen Bünden eine große
Bedeutung.
Nach 1945 bildete sich auch der
Ring junger Bünde, in dem sich
die meisten der Wandervogelbünde
zusammen schlossen.
Dabei sind auch einige Pfadfinderbünde,
die stark vom
Wandervogel geprägt wurden.
Auch jungenschaften gehörten
dazu. Die graue jungenschaft
mit dem Schiff "Falado" ist eine
jungenschaft, die es noch gibt.
Der Ring junger Bünde sorgte
für Zuschüsse, verlor mit den
Jahren an Bedeutung und ließ
die Kluft zu den Pfadfinderbünden
größer werden, die
allgemein vom Staat Zuschüsse
annehmen, sich voll an die
Gesellschaft anpassen, weiter
entwickeln und eigene Pfadfinderverbände
haben.
Die Situation führte beim Meißnerlager
1988 dazu, dass
Gerhard Neudorf, lampi und
Freunde die bündische Kulturinitiative
bildeten mit der Zeitschrift
"Idee und Bewegung",
die zum einem Bindeglied vieler
Bünde wurde, und die nun auf
Gut Steimke, kurz vor Gerhard
Tods, Heimat und Zentrum fand.
Ein Zentrum, aus dem sich
noch mehr entwickeln kann,
vielleicht eine Fortführung der
"Pädagogischen Kolloquien"
von Gerhard. Gerhards Traum
war, aus der Kulturinitiative eine
eine "Wandervogelakademie"
für Pädagogik, Kultur und Natur
zu gründen. Ein Gedanke, die
bündischen Wissenschaftler
zu vereinen und den Wunsch
zusammen zu fassen, der fast
alle Wandervögel eint: Endlich
in Deutschland für die Menschen
ein Zentrum zu schaffen,
in dem die besten und bewährtesten
Erkenntnisse für Mensch,
Natur und Kultur zusammengefasst
und gelehrt werden. Auch
Nutzung von Impulsen und
Ansätzen aus den USA, aus
Japan, Finnland, Schweden,
Dänemark ist denkbar.
Der Wandervogelgedanke ist
für die Zukunft brisant und vorwärtsweisend
und findet immer
wieder neue kreative Formen.h